Blinder Fleck
Machen Sie Ihren blinden Fleck sichtbar: Kreuz fixieren, näher kommen – und der Punkt verschwindet.
Jedes Auge hat eine Stelle, an der es überhaupt nichts sieht – den blinden Fleck. Dort verlässt der Sehnerv das Auge, und dort treten auch die großen Blutgefäße der Netzhaut ein. An dieser Stelle, der Sehnervenscheibe (Papille), gibt es keine Sinneszellen, also keine Zapfen und Stäbchen. Das Loch im Gesichtsfeld liegt etwa 15 Grad seitlich vom Blickpunkt, schläfenwärts. Wie das Auge aufgebaut ist, erklärt unser Ratgeber zur Anatomie des Auges.
Im Alltag bemerken Sie den blinden Fleck nicht: Die beiden Augen decken gegenseitig ihre Lücken ab, und das Gehirn „füllt“ die fehlende Stelle mit dem umgebenden Muster aus. Diese Demonstration macht ihn sichtbar. Auf dem Bildschirm sehen Sie links ein Kreuz und rechts einen Punkt. Sie schließen das linke Auge, schauen mit dem rechten Auge auf das Kreuz und bewegen den Kopf langsam auf den Bildschirm zu. Bei einem bestimmten Abstand fällt das Bild des Punktes genau auf die Papille – und der Punkt verschwindet. Kommen Sie noch näher, taucht er wieder auf.
Der Test ist eine faszinierende Demonstration, wie unser Gehirn Sehen „konstruiert“, und kein medizinischer Test. Er sagt nichts über die Gesundheit des Sehnervs aus. Mehr über die Verarbeitung im Gehirn lesen Sie im Ratgeber So funktioniert das Sehen.
Anleitung
- Stellen Sie das Fenster so ein, dass Kreuz und Punkt gut sichtbar nebeneinander liegen; der Bildschirm sollte auf Augenhöhe sein.
- Schließen oder bedecken Sie Ihr linkes Auge.
- Schauen Sie mit dem rechten Auge unverwandt auf das Kreuz – nicht zum Punkt hinüberblicken.
- Beginnen Sie in etwa 70 cm Abstand und bewegen Sie den Kopf langsam auf den Bildschirm zu.
- Achten Sie aus dem Augenwinkel auf den Punkt: Bei einem bestimmten Abstand verschwindet er.
- Gehen Sie noch etwas näher, bis er wieder auftaucht. Für das linke Auge: rechtes Auge schließen und auf den Punkt schauen – dann verschwindet das Kreuz.
Ergebnis verstehen
Wenn der Punkt bei einem bestimmten Abstand verschwindet, haben Sie Ihren blinden Fleck gefunden – das ist völlig normal und bei jedem Menschen so. Der genaue Abstand hängt von der Bildschirmgröße und dem Abstand zwischen Kreuz und Punkt ab und ist ohne Bedeutung.
Gelingt es nicht, liegt das fast immer daran, dass der Blick zum Punkt springt oder der Kopf schräg gehalten wird. Versuchen Sie es erneut mit ruhigem Blick. Ein normaler blinder Fleck ist kein Grund zur Sorge. Wenn Sie aber im Alltag dunkle Flecken, Schatten oder Lücken im Gesichtsfeld bemerken, die Sie nicht wie hier gezielt herbeiführen, sollten Sie dies augenärztlich abklären lassen.
Achtung: Eine Demonstration, kein Diagnosetest. Neu bemerkte Ausfälle im Gesichtsfeld, ein Vorhang oder Schatten vor dem Auge sind ein Notfall und gehören sofort in augenärztliche Behandlung.
Häufig gestellte Fragen
Warum sehe ich im Alltag kein Loch?
Das andere Auge sieht den Bereich, der dem einen Auge fehlt. Außerdem ergänzt das Gehirn die Lücke mit Farben und Mustern aus der Umgebung, sogar wenn Sie nur ein Auge offen haben.
Haben alle Menschen einen blinden Fleck?
Ja. Wirbeltieraugen sind so gebaut, dass der Sehnerv durch die Netzhaut hindurch austritt. Tintenfische haben übrigens keinen blinden Fleck, weil ihre Nervenfasern hinter der Netzhaut verlaufen.
Kann der blinde Fleck größer werden?
Bei bestimmten Erkrankungen, etwa einem geschwollenen Sehnervenkopf oder Glaukom, kann sich der blinde Fleck vergrößern. Das lässt sich nur mit einer Gesichtsfeldmessung beim Augenarzt feststellen.
Wie groß ist der blinde Fleck?
Er umfasst etwa 5 bis 7 Grad des Gesichtsfelds – auf Armlänge entspricht das ungefähr der Größe einer Faust.