Augengymnastik

Lebensphasen

Augenpflege nach Lebensalter: Was in welchem Jahrzehnt zählt

Jedes Lebensalter bringt eigene Herausforderungen für die Augen. Ein Wegweiser durch die Jahrzehnte – mit typischen Veränderungen und sinnvollen Kontrollen.

Aktualisiert: 10. Oktober 2026 6 Min. Lesezeit Redaktion

Unsere Augen verändern sich ein Leben lang. Im Säuglingsalter lernt das Gehirn überhaupt erst zu sehen, in der Schulzeit entwickelt sich oft eine Kurzsichtigkeit, um die 45 wird die Lesebrille zum Thema, und ab 60 rücken grauer Star, Glaukom und Makuladegeneration in den Blick. Wer weiß, was in welchem Lebensabschnitt typisch ist, kann Veränderungen besser einordnen und rechtzeitig handeln.

Dieser Ratgeber führt Sie Jahrzehnt für Jahrzehnt durch das Leben der Augen. Er nennt typische Veränderungen, häufige Erkrankungen und Orientierungswerte für Untersuchungen. Die genauen Intervalle legt immer Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt fest – je nach persönlichen Risikofaktoren können sie deutlich kürzer sein.

Das Wichtigste in Kürze

  • In den ersten Lebensjahren entscheidet sich, ob sich das Sehen normal entwickelt; Schielen und Schwachsichtigkeit sollten früh erkannt werden.
  • Im Schulalter ist Kurzsichtigkeit das häufigste Problem; Zeit im Freien beugt vor.
  • Mit etwa 40 bis 45 Jahren beginnt die Alterssichtigkeit; zugleich wird eine augenärztliche Basisuntersuchung mit Glaukom-Früherkennung empfohlen.
  • Ab 60 nehmen grauer Star, Glaukom und Makuladegeneration deutlich zu; regelmäßige Kontrollen alle ein bis zwei Jahre sind sinnvoll.
  • Diabetes, Bluthochdruck, Rauchen und familiäre Belastung erfordern in jedem Alter häufigere Kontrollen.

Überblick: Untersuchungen nach Lebensalter

AlterTypische ThemenEmpfohlene Kontrollen (Orientierung)
0 bis 1 JahrRotreflex, angeborene Erkrankungen, FixierenIm Rahmen der U-Untersuchungen; Frühgeborene gezielt augenärztlich
1 bis 6 JahreSchielen, Schwachsichtigkeit, WeitsichtigkeitU-Untersuchungen; augenärztlich bei Auffälligkeiten oder Risiko, oft mit etwa 3 Jahren empfohlen
6 bis 19 JahreKurzsichtigkeit, Sport, KontaktlinsenBei Beschwerden; bei Kurzsichtigkeit nach Absprache meist jährlich
20 bis 39 JahreBildschirm, Kontaktlinsen, Laserkorrektur, SchwangerschaftBei Beschwerden; Sehtest etwa alle zwei Jahre sinnvoll
40 bis 59 JahreAlterssichtigkeit, Glaukom, trockene AugenAugenärztliche Basisuntersuchung um 40, danach nach Empfehlung
60 bis 79 JahreKatarakt, Glaukom, AMDEtwa alle ein bis zwei Jahre
80 und älterSehbehinderung, Sturzrisiko, mehrere ErkrankungenMindestens jährlich oder nach ärztlicher Empfehlung

Neugeborene und Säuglinge (0 bis 1 Jahr)

Bei der Geburt ist das Sehen noch unscharf. Innerhalb der ersten Monate lernen Babys, Gesichter zu fixieren, Gegenständen zu folgen und mit beiden Augen zusammenzuarbeiten. Schon in den ersten Untersuchungen prüft die Kinderärztin oder der Kinderarzt den Rotreflex, um Trübungen der Linse, Tumoren oder große Fehlsichtigkeiten zu erkennen.

  • Frühgeborene brauchen je nach Geburtsgewicht und Schwangerschaftswoche regelmäßige Netzhautuntersuchungen wegen des Risikos einer Frühgeborenen-Retinopathie.
  • Ein dauerhaft tränendes Auge mit Krusten deutet meist auf einen verschlossenen Tränennasengang hin, der sich oft von selbst öffnet.
  • Ein trübes, vergrößertes Auge, starke Lichtscheu oder ein weißer Pupillenreflex müssen umgehend untersucht werden.

Kleinkinder und Vorschulkinder (1 bis 6 Jahre)

In dieser Phase reift das Sehsystem rasch. Gleichzeitig ist es noch formbar: Ein Auge, das kein scharfes Bild liefert, wird vom Gehirn vernachlässigt und bleibt schwachsichtig. Genau deshalb ist dies die wichtigste Zeit für die Früherkennung von Schielen und Schwachsichtigkeit (Amblyopie). Eine Behandlung mit Brille und Abklebetherapie wirkt jetzt am besten.

  • Auf Warnzeichen achten: Schielen, Kopfschiefhaltung, häufiges Stolpern, sehr naher Abstand beim Betrachten von Büchern.
  • Bildschirmzeit gering halten, viel draußen spielen.
  • Sonnenschutz mit Hut und Sonnenbrille bei starker Sonne.

Ausführlich informiert der Ratgeber Augengesundheit bei Kindern.

Schulkinder und Jugendliche (6 bis 19 Jahre)

Mit dem Schuleintritt steigen die Anforderungen an das Nahsehen. Viele Kinder entwickeln jetzt eine Kurzsichtigkeit (Myopie), die bis ins frühe Erwachsenenalter zunehmen kann. Weltweit nimmt die Häufigkeit deutlich zu; Fachleute führen das vor allem auf weniger Zeit im Freien und mehr Naharbeit zurück. Eine hohe Kurzsichtigkeit erhöht später das Risiko für Netzhautablösung, Glaukom und Makulaerkrankungen – daher lohnt es sich, ihr Fortschreiten zu bremsen.

  • Täglich etwa zwei Stunden Tageslicht helfen vorzubeugen.
  • Bei bestehender Kurzsichtigkeit gibt es ärztlich verordnete Methoden zur Verlangsamung, etwa niedrig dosiertes Atropin oder spezielle Gläser und Linsen.
  • Sportschutzbrillen bei Ballsportarten mit Schlägern.
  • Kontaktlinsen erst, wenn Jugendliche die Hygiene zuverlässig beherrschen.
  • Leseprobleme und Kopfschmerzen bei Hausaufgaben augenärztlich abklären lassen.

Fachleute beobachten diese Entwicklung weltweit mit Sorge.

Junge Erwachsene (20 bis 39 Jahre)

Die meisten Menschen haben in diesem Alter gesunde Augen. Typische Themen sind Beschwerden durch Bildschirmarbeit, trockene Augen, der Umgang mit Kontaktlinsen und die Frage nach einer Laserkorrektur. Eine Fehlsichtigkeit stabilisiert sich meist in den Zwanzigern – eine Voraussetzung für refraktive Chirurgie.

  • Bildschirmarbeit mit Pausen und guter Ergonomie gestalten.
  • Kontaktlinsen nie über Nacht tragen, wenn sie nicht dafür zugelassen sind, und nicht mit Wasser in Berührung bringen.
  • Schutzbrillen beim Heimwerken und Sport, Sonnenbrillen mit UV-Schutz.
  • Nicht rauchen – Rauchen schadet den Augen langfristig erheblich.
  • In der Schwangerschaft können sich Sehstärke und Tränenfilm vorübergehend verändern.

Wer über eine Laserkorrektur nachdenkt, findet Orientierung im Beitrag LASIK, PRK oder SMILE?.

Die Vierziger und Fünfziger (40 bis 59 Jahre)

Irgendwann zwischen 40 und 45 bemerken fast alle Menschen, dass das Lesen kleiner Schrift schwerer wird. Die Augenlinse verliert an Elastizität und kann sich nicht mehr so gut auf die Nähe einstellen – die Alterssichtigkeit (Presbyopie). Sie ist keine Krankheit, sondern ein natürlicher Alterungsprozess, und lässt sich mit Lesebrille, Gleitsichtbrille oder Kontaktlinsen gut ausgleichen. Augenübungen können sie nicht aufhalten.

Gleichzeitig steigt das Risiko für das Glaukom, das lange keine Beschwerden macht. Deshalb empfehlen Fachgesellschaften um das 40. Lebensjahr eine augenärztliche Basisuntersuchung mit Messung des Augeninnendrucks und Beurteilung des Sehnervs. In Deutschland ist die Glaukom-Früherkennung ohne konkreten Verdacht meist eine Selbstzahlerleistung.

  • Trockene Augen werden häufiger, besonders bei Frauen in und nach den Wechseljahren.
  • Diabetes und Bluthochdruck treten häufiger auf – beide schädigen die Netzhaut.
  • Neue Schwebeteilchen und Lichtblitze sind oft harmlos, können aber eine Netzhautablösung ankündigen.

Was sich ab 40 konkret ändert, erklärt der Beitrag Ihre Augen nach 40.

Die Sechziger und Siebziger (60 bis 79 Jahre)

In diesem Lebensabschnitt nehmen die großen altersbedingten Augenerkrankungen deutlich zu. Regelmäßige Kontrollen etwa alle ein bis zwei Jahre sind jetzt besonders wichtig.

Grauer Star (Katarakt)

Die Linse trübt sich langsam ein. Typisch sind Blendempfindlichkeit, blassere Farben und nachlassende Sehschärfe. Die Kataraktoperation ist einer der häufigsten und erfolgreichsten Eingriffe der Medizin. Wann der richtige Zeitpunkt ist, hängt davon ab, wie sehr der Alltag eingeschränkt ist. Mehr im Ratgeber Grauer Star.

Altersbedingte Makuladegeneration (AMD)

Die AMD betrifft die Stelle des schärfsten Sehens. Bei der trockenen Form schreitet sie langsam fort, die feuchte Form kann schnell zu Sehverlust führen, lässt sich aber mit Injektionen ins Auge oft stabilisieren. Ein wichtiges Warnzeichen ist verzerrtes Sehen. Für Menschen mit mittlerer oder fortgeschrittener AMD können Nahrungsergänzungsmittel nach der AREDS2-Formel das Fortschreiten verlangsamen. Mit dem Amsler-Gitter können Betroffene ihr Sehen zu Hause beobachten.

Glaukom und weitere Erkrankungen

Das Glaukomrisiko steigt mit dem Alter weiter. Auch Gefäßverschlüsse der Netzhaut, Lidfehlstellungen und trockene Augen werden häufiger.

80 Jahre und älter

Im hohen Alter treffen oft mehrere Augenerkrankungen und allgemeine Gesundheitsprobleme zusammen. Gutes Sehen ist jetzt eng mit Selbstständigkeit, Sicherheit und Lebensqualität verbunden. Schlechtes Sehen erhöht das Sturzrisiko, erschwert die Medikamenteneinnahme und kann zu sozialem Rückzug führen.

  • Mindestens jährliche augenärztliche Kontrollen, bei bekannten Erkrankungen häufiger.
  • Gute Beleuchtung, kontrastreiche Markierungen an Treppen und Stolperfallen beseitigen.
  • Brille aktuell halten; Gleitsichtbrillen auf Treppen mit Vorsicht nutzen.
  • Fahrtauglichkeit ehrlich prüfen, besonders bei Dämmerung und Nacht.
  • Bei bleibender Sehbehinderung frühzeitig Hilfsmittel und Rehabilitation nutzen.

Hilfreiche Informationen bieten der Beitrag Sehen im Alter und Sturzprävention sowie der Ratgeber Sehbehinderung und Low Vision.

Lebensstil: Was in jedem Jahrzehnt hilft

Viele Maßnahmen für gesunde Augen sind in jedem Alter gleich – ihre Wirkung summiert sich über die Jahrzehnte. Wer früh damit beginnt, profitiert im Alter am meisten. Die folgenden Gewohnheiten sind durch Studien gut gestützt:

  • Nicht rauchen: Rauchen erhöht das Risiko für Makuladegeneration um ein Mehrfaches und fördert den grauen Star. Ein Rauchstopp lohnt sich in jedem Alter.
  • UV-Schutz von Kindheit an: Die Belastung durch Sonnenlicht sammelt sich über das Leben an und trägt zu Katarakt und Veränderungen der Bindehaut bei.
  • Gemüsereiche Ernährung: Grünes Blattgemüse, buntes Obst und regelmäßig Fisch versorgen die Netzhaut mit Lutein, Zeaxanthin und Omega-3-Fettsäuren.
  • Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität hält Gefäße, Blutdruck und Blutzucker im gesunden Bereich – das schützt auch die feinen Netzhautgefäße.
  • Gesundes Körpergewicht und gute Einstellung chronischer Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck.
  • Schutzbrillen bei Heimwerken, Gartenarbeit und Risikosportarten – Verletzungen sind in jedem Alter eine häufige, vermeidbare Ursache für Sehverlust.

Für Kinder und Jugendliche kommt die Zeit im Freien als wichtigster Schutz vor Kurzsichtigkeit hinzu, für Erwachsene am Bildschirm regelmäßige Pausen. Ausführliche Ernährungstipps gibt der Ratgeber Ernährung für die Augen.

Risikofaktoren, die in jedem Alter zählen

Unabhängig vom Alter verkürzen bestimmte Faktoren die empfohlenen Untersuchungsabstände:

  • Diabetes: Netzhautuntersuchung mindestens alle ein bis zwei Jahre, je nach Befund häufiger.
  • Familiäre Belastung: Glaukom, AMD oder starke Kurzsichtigkeit bei Eltern oder Geschwistern.
  • Hohe Kurzsichtigkeit: erhöhtes Risiko für Netzhautablösung und Glaukom.
  • Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Langzeitmedikamente wie Kortison oder Hydroxychloroquin.
  • Rauchen als wichtigster vermeidbarer Risikofaktor für AMD und Katarakt.

Halten Sie die wichtigsten Daten griffbereit: letzter Augenarzttermin, Brillenstärke, bekannte Diagnosen und eine Medikamentenliste. Das erleichtert jede Untersuchung und hilft, Veränderungen zu erkennen. Wie oft Sie konkret zur Kontrolle sollten, erfahren Sie im Beitrag Wie oft zur Augenuntersuchung?.

Warnzeichen in jedem Alter

Unabhängig vom Lebensalter gibt es Symptome, die nicht bis zum nächsten Routinetermin warten dürfen.

Sofort zur Augenklinik oder Notruf 112 bei: plötzlichem Sehverlust an einem oder beiden Augen; einem Schatten oder Vorhang im Gesichtsfeld; plötzlich vielen neuen Schwebeteilchen oder Lichtblitzen; plötzlich verzerrtem Sehen; starken Augenschmerzen mit Rötung, Übelkeit oder Regenbogenringen um Lichter; neuen Doppelbildern; Verletzungen und Verätzungen. Bei Säuglingen und Kleinkindern zusätzlich: weißer Pupillenreflex, trübes oder vergrößertes Auge, neu aufgetretenes Schielen.

Häufig gestellte Fragen

Ab welchem Alter sollte man regelmäßig zum Augenarzt?

Fachgesellschaften empfehlen eine augenärztliche Basisuntersuchung um das 40. Lebensjahr und ab etwa 60 Kontrollen alle ein bis zwei Jahre. Bei Diabetes, Glaukom in der Familie oder anderen Risikofaktoren deutlich früher und häufiger.

Warum brauche ich mit 45 plötzlich eine Lesebrille?

Die Augenlinse verliert mit dem Alter an Elastizität und kann sich nicht mehr gut auf die Nähe einstellen. Diese Alterssichtigkeit ist normal und betrifft fast alle Menschen. Augenübungen können sie nicht verhindern.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Kataraktoperation?

Wenn die Linsentrübung den Alltag spürbar einschränkt, etwa beim Lesen, Autofahren oder durch Blendung. Die Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt.

Wann sollte ein Kind zum ersten Mal augenärztlich untersucht werden?

Bei Auffälligkeiten oder Risikofaktoren so früh wie möglich. Ohne Auffälligkeiten empfehlen viele Augenärzte eine Untersuchung im Alter von etwa drei Jahren, zusätzlich zu den Sehprüfungen bei den U-Untersuchungen.

Wird man im Alter automatisch schlechter sehen?

Einige Veränderungen wie Alterssichtigkeit und eine leichte Linsentrübung sind normal. Viele Erkrankungen lassen sich aber früh erkennen und gut behandeln. Regelmäßige Kontrollen und ein gesunder Lebensstil helfen, gutes Sehen lange zu erhalten.

Gibt es eine Altersgrenze für Laserkorrekturen?

Eine feste Obergrenze gibt es nicht, aber die Sehstärke sollte stabil sein, meist ab Anfang 20. Ab etwa 45 bis 50 spielen Alterssichtigkeit und beginnender grauer Star eine Rolle, sodass andere Verfahren sinnvoller sein können.

Wie kann ich im Alter Stürze durch schlechtes Sehen vermeiden?

Mit aktueller Brille, guter Beleuchtung, kontrastreichen Markierungen an Treppen, dem Entfernen von Stolperfallen und regelmäßigen Augenkontrollen. Eine Kataraktoperation kann bei deutlicher Trübung das Sturzrisiko senken.

Quellen
  • American Academy of Ophthalmology – Eye Health by Age / Get an Eye Disease Screening at 40
  • National Eye Institute – Healthy Vision Tips and Aging Eyes
  • Berufsverband der Augenärzte Deutschlands – Vorsorge und Früherkennung
  • World Health Organization – World Report on Vision (2019)
  • AREDS2 Research Group – Lutein + zeaxanthin and omega-3 fatty acids for age-related macular degeneration (JAMA, 2013)
  • NHS – Eye tests for children and adults

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