Augengymnastik

Brillen & Linsen

Schutzbrillen und Sportbrillen: Normen, Kennzeichnung und Auswahl

Was bedeuten die Kennzeichnungen auf Schutzbrillen? Ein Ratgeber zu Normen wie EN 166 und ANSI Z87.1, Schlagfestigkeitsstufen, Korrektionsschutzbrillen und passenden Sportbrillen.

Aktualisiert: 10. Oktober 2026 6 Min. Lesezeit Redaktion

Augenverletzungen gehören zu den vermeidbarsten Unfällen überhaupt. Ein Metallsplitter beim Schleifen, ein Spritzer Reinigungsmittel, ein Squashball mit hoher Geschwindigkeit oder ein Ast beim Mountainbiken – oft reicht ein Bruchteil einer Sekunde, um das Sehvermögen dauerhaft zu gefährden. Fachgesellschaften wie die American Academy of Ophthalmology gehen davon aus, dass sich der Großteil solcher Verletzungen durch geeigneten Augenschutz verhindern ließe. Trotzdem tragen viele Menschen bei riskanten Tätigkeiten keine Schutzbrille, oder sie verlassen sich auf ihre normale Korrektionsbrille, die dafür nicht gebaut ist.

Dieser Ratgeber erklärt, welche Normen für Schutzbrillen gelten, wie Sie die Kennzeichnungen auf Rahmen und Scheiben lesen, welche Schlagfestigkeitsstufen es gibt, welche Möglichkeiten Brillenträger haben und welcher Augenschutz für welche Sportart sinnvoll ist. Allgemeine Informationen zum Thema bietet zudem unser Ratgeber Augenschutz bei Arbeit und Sport.

Das Wichtigste in Kürze

  • Normale Alltagsbrillen sind keine Schutzbrillen – auch nicht mit Kunststoffgläsern.
  • In Europa gilt für Augenschutz die Norm EN 166, in den USA ANSI Z87.1; beide verlangen geprüfte Schlagfestigkeit und eine Kennzeichnung.
  • Die Buchstaben S, F, B und A auf einer Schutzbrille stehen für steigende Schlagfestigkeit gegen fliegende Teile.
  • Brillenträger können Korrektionsschutzbrillen mit Sehstärke, Überbrillen oder Schutzbrillen mit Korrektionseinsatz nutzen.
  • Für Schlägersportarten und viele Ballsportarten sind geprüfte Sportschutzbrillen mit Polycarbonatscheiben empfehlenswert.
  • Nach einer Augenverletzung immer ärztlich abklären lassen – auch wenn zunächst wenig zu sehen ist.

Warum die normale Brille nicht schützt

Eine Korrektionsbrille für den Alltag ist auf gutes Sehen ausgelegt, nicht auf Schutz. Ihre Gläser sind zwar heute meist aus Kunststoff, doch weder Gläser noch Fassung sind für einen kräftigen Aufprall geprüft. Bei einem harten Schlag kann das Glas aus der Fassung springen, eine dünne Fassung kann brechen und mit ihren Kanten verletzen, und seitlich ist das Auge völlig ungeschützt. Mineralgläser können sogar splittern.

Echte Schutzbrillen unterscheiden sich in mehreren Punkten: Ihre Scheiben bestehen fast immer aus Polycarbonat oder einem vergleichbar schlagfesten Material, die Fassung ist stabil und auf Stoßbelastung getestet, die Scheiben sind gegen Herausdrücken nach hinten gesichert, und viele Modelle bieten Seitenschutz oder umschließen das Auge komplett. Wie Glasmaterialien sich unterscheiden, erklärt unser Ratgeber Brillenglasmaterialien.

Die wichtigsten Normen

EN 166 – Europa

In der Europäischen Union, der Schweiz und vielen weiteren Ländern gilt für persönlichen Augenschutz die Norm DIN EN 166. Sie legt Anforderungen an Sicht, Robustheit, Schlagfestigkeit und Kennzeichnung fest. Schutzbrillen sind persönliche Schutzausrüstung (PSA) und müssen in der EU zusätzlich ein CE-Kennzeichen tragen. Ergänzende Normen regeln spezielle Gefahren, etwa EN 169 und EN 175 für Schweißerschutz, EN 170 für UV-Schutzfilter, EN 172 für Sonnenschutzfilter im betrieblichen Bereich und EN 207 für Laserschutz.

ANSI Z87.1 – USA

In den Vereinigten Staaten gilt die Norm ANSI/ISEA Z87.1. Sie unterscheidet grundsätzlich zwischen Grundschlagfestigkeit (Basic Impact) und erhöhter Schlagfestigkeit (High Impact). Schutzbrillen mit erhöhter Schlagfestigkeit tragen die Kennzeichnung Z87+. Korrektionsschutzbrillen, die die Norm erfüllen, sind mit Z87-2 gekennzeichnet. Die US-Arbeitsschutzbehörde OSHA verlangt am Arbeitsplatz Augenschutz, der dieser Norm entspricht.

Sportnormen

Für den Sport gibt es eigene Prüfstandards, beispielsweise ASTM F803 in den USA für Schläger- und bestimmte Ballsportarten oder EN 174 für Skibrillen. Normen für Sportbrillen berücksichtigen die typischen Gefahren der jeweiligen Sportart, etwa einen schnellen, kleinen Ball oder einen Schlägerkontakt. Nicht jede Brille, die als Sportbrille verkauft wird, ist auch eine geprüfte Schutzbrille – viele modische Sportsonnenbrillen bieten lediglich UV- und Blendschutz.

Kennzeichnung lesen: Was die Buchstaben bedeuten

Nach EN 166 tragen Rahmen und Scheiben jeweils eigene Kennzeichnungen. Die Schlagfestigkeit gegen fliegende Teile wird mit Buchstaben angegeben:

KennzeichenBedeutungPrüfung (vereinfacht)Typischer Einsatz
ohne BuchstabeMindestfestigkeitStatische Belastung mit einer StahlkugelGeringe Gefährdung
SErhöhte FestigkeitStahlkugel ca. 22 mm mit 5,1 m/sLeichte Arbeiten, Heimwerken
FSchlag niedriger EnergieStahlkugel 6 mm mit 45 m/sSchleifen, Bohren, Gartenarbeit – Standard für Schutzbrillen
BSchlag mittlerer Energie120 m/sNur Korbbrillen und Visiere
ASchlag hoher Energie190 m/sNur Visiere (Gesichtsschutzschilde)

Ein zusätzliches T hinter dem Buchstaben, etwa FT, bedeutet, dass die Schlagfestigkeit auch bei extremen Temperaturen von −5 °C und +55 °C geprüft wurde. Weitere Kennzahlen geben Auskunft über spezielle Eigenschaften:

  • 3: Schutz gegen Flüssigkeitstropfen oder -spritzer.
  • 4: Schutz gegen grobe Staubpartikel.
  • 5: Schutz gegen Gase und feine Stäube.
  • 8: Schutz gegen Störlichtbögen (z. B. bei elektrischen Kurzschlüssen).
  • 9: Schutz gegen Metallschmelze und heiße Festkörper.
  • K: Beständigkeit gegen Oberflächenbeschädigung durch Partikel (Kratzfestigkeit).
  • N: Beständigkeit gegen Beschlagen.

Die optische Klasse 1, 2 oder 3 auf der Scheibe gibt die Abbildungsqualität an; Klasse 1 ist die beste und für längeres Tragen zu bevorzugen. Wichtig: Die schwächere Kennzeichnung von Rahmen oder Scheibe bestimmt die Schutzstufe der gesamten Brille.

Beispiel: Auf der Scheibe steht 2C-1,2 W 1 FT K N. Das bedeutet: UV-Schutzfilter mit guter Farberkennung (2C-1,2), Hersteller W, optische Klasse 1, Schlagfestigkeit F bei extremen Temperaturen, kratzfest und beschlagfrei. Auf dem Rahmen sollte entsprechend mindestens EN 166 FT stehen.

Bauformen von Schutzbrillen

  • Bügelbrille: Sieht aus wie eine normale Brille, oft mit integriertem Seitenschutz. Bequem, für fliegende Teile geeignet, aber nicht dicht gegen Flüssigkeiten und Staub.
  • Korbbrille (Vollsichtbrille): Umschließt die Augen mit einem Dichtrahmen und Kopfband. Schützt gegen Spritzer, Staub und Gase, je nach Kennzeichnung. Viele Modelle passen über eine Korrektionsbrille.
  • Überbrille: Eine größere Schutzbrille, die über der normalen Brille getragen wird. Praktisch für Besucher oder gelegentlichen Einsatz.
  • Gesichtsschutzschild (Visier): Schützt das ganze Gesicht, etwa bei Freischneiderarbeiten, Chemikalien oder Schweißen. Oft in Kombination mit einer Schutzbrille getragen.

Schutzbrillen mit Sehstärke

Wer eine Brille braucht, hat mehrere Möglichkeiten, um sicher und scharf zu sehen:

LösungVorteileNachteile
KorrektionsschutzbrilleOptimal scharf, bequem, für Dauertragen geeignetTeurer, muss bei Änderung der Werte neu angefertigt werden
ÜberbrilleGünstig, flexibelSchwerer, kann drücken und beschlagen, eingeschränktes Sichtfeld
Schutzbrille mit Korrektionseinsatz (Clip)Einsatz wird hinter der Schutzscheibe befestigt, Schutzbrille austauschbarZusätzliche Flächen, teils Reflexe
Kontaktlinsen plus SchutzbrilleFreie Wahl der SchutzbrilleNicht bei Staub, Chemikalien oder Rauch geeignet

Eine Korrektionsschutzbrille ist eine vollständige Schutzbrille, bei der Gläser, Fassung und Seitenschutz zusammen nach EN 166 geprüft sind. Sie wird beim spezialisierten Augenoptiker nach Ihrer aktuellen Verordnung gefertigt. In Deutschland muss der Arbeitgeber laut Arbeitsschutzgesetz und PSA-Benutzungsverordnung geeigneten Augenschutz zur Verfügung stellen, wenn die Gefährdungsbeurteilung dies erfordert. Für Brillenträger umfasst das in der Regel auch eine Korrektionsschutzbrille. Die Kosten trägt der Arbeitgeber, nicht die Krankenkasse. Mehr dazu im Ratgeber Augengesundheit im Beruf.

Ein nachträglich angebrachter Seitenschutz macht aus einer normalen Brille keine Schutzbrille. Nur eine geprüfte Kombination aus Fassung und Gläsern mit der entsprechenden Kennzeichnung bietet den zugesicherten Schutz.

Sportbrillen nach Sportart

Das Verletzungsrisiko unterscheidet sich stark je nach Sportart. Besonders gefährlich sind Sportarten mit kleinen, schnellen Bällen, Schlägern oder Körperkontakt. Ausführliche Tipps zur Vorbeugung gibt der Beitrag Sportverletzungen am Auge vermeiden.

SportartRisikoEmpfohlener Schutz
Squash, Racquetball, BadmintonHoch: kleiner, sehr schneller Ball, SchlägerGeprüfte Sportschutzbrille mit Polycarbonatscheiben (z. B. ASTM F803)
Tennis, PadelMittelSportschutzbrille empfehlenswert, besonders beim Doppel
Basketball, Fußball, Handball, HockeyMittel bis hoch: Ellenbogen, Finger, BallSportschutzbrille mit Kopfband; im Eishockey Visier oder Gitter am Helm
Paintball, AirsoftSehr hochVollmaske, speziell für diesen Sport geprüft
Radfahren, MountainbikeMittel: Insekten, Äste, Steinschlag, SturzBruchfeste Sportbrille mit UV-Schutz, bei Bedarf mit Korrektion
Ski, SnowboardMittel: Sturz, Äste, starke UV-StrahlungSkibrille nach EN 174, bei Brillenträgern OTG-Modelle oder Korrektionseinsatz
SchwimmenGering für Verletzung, Reizung durch ChlorSchwimmbrille, auf Wunsch mit Sehstärke
Boxen, KampfsportSehr hoch, Brille nicht möglichKein Brillenschutz möglich; bei Risikofaktoren ärztlich beraten lassen

Für Kinder und Jugendliche ist Sportschutz besonders wichtig, weil sie häufig Ballsportarten betreiben. Hinweise zur Auswahl finden Sie im Ratgeber Kinderbrillen. Menschen, die nur auf einem Auge gut sehen, sollten bei allen Sportarten mit Verletzungsrisiko konsequent geprüften Augenschutz tragen, da eine Verletzung des einzigen funktionsfähigen Auges besonders schwerwiegende Folgen hätte.

UV-Schutz nicht vergessen

Bei Outdoor-Aktivitäten, auf dem Wasser und im Schnee sind die Augen starker UV-Strahlung ausgesetzt. Polycarbonatscheiben filtern UV-Strahlung bereits weitgehend heraus. Für Sonnenschutzfilter gilt die Norm EN ISO 12312-1 mit Filterkategorien von 0 bis 4. Im Hochgebirge und auf Gletschern sind Kategorie 3 oder 4 sinnvoll; Kategorie 4 ist aber nicht zum Autofahren zugelassen. Mehr dazu im Ratgeber Sonnenbrillen.

Pflege und Austausch von Schutzbrillen

Auch eine Schutzbrille verschleißt. Zerkratzte Scheiben beeinträchtigen die Sicht und verleiten dazu, die Brille abzunehmen. Ersetzen Sie Schutzbrillen nach jedem harten Aufprall, auch wenn keine Schäden sichtbar sind, sowie bei Rissen, stark zerkratzten Scheiben oder einem gerissenen Kopfband. Viele Hersteller geben ein Verfallsdatum oder eine empfohlene Nutzungsdauer an, da Kunststoffe durch UV-Licht altern. Bewahren Sie Schutzbrillen sauber und staubfrei auf, idealerweise in einem Beutel oder Etui.

Wann zum Augenarzt?

Jede Augenverletzung sollte ärztlich beurteilt werden, auch wenn sie zunächst harmlos erscheint. Ein kleiner Metallsplitter kann ins Auge eindringen, ohne dass es stark schmerzt, und ein stumpfer Schlag kann Blutungen oder eine Netzhautablösung verursachen, die erst später auffallen. Bei Chemikalienverletzungen zählt jede Sekunde.

Notfall – sofort handeln: Bei Verätzungen durch Säuren, Laugen oder Kalk das Auge sofort mindestens 10 bis 15 Minuten unter fließendem Wasser spülen, dabei das Lid offenhalten, und dann umgehend in eine Augenklinik fahren oder den Notruf 112 wählen. Bei Fremdkörpern, die im Auge stecken, nicht selbst entfernen und nicht reiben; das Auge locker abdecken und sofort ärztliche Hilfe suchen. Sofort zur Augenklinik auch bei Sehverschlechterung, Doppelbildern, Blut im Auge, verformter Pupille, Lichtblitzen oder einem Schatten im Gesichtsfeld nach einem Schlag. Weitere Hinweise im Ratgeber Augennotfälle und Erste Hilfe.

Häufig gestellte Fragen

Ist meine normale Brille eine Schutzbrille?

Nein. Alltagsbrillen sind nicht auf Schlagfestigkeit geprüft, haben keinen Seitenschutz und können bei einem Aufprall brechen. Nur Brillen mit Prüfkennzeichnung nach EN 166 oder ANSI Z87.1 sind echte Schutzbrillen.

Was bedeutet F auf einer Schutzbrille?

Das F steht für Schutz gegen fliegende Teile mit niedriger Energie: Die Brille hält einer 6-mm-Stahlkugel mit 45 m/s stand. Es ist die übliche Stufe für Schutzbrillen bei Arbeiten wie Schleifen, Bohren oder Gartenarbeit.

Was ist der Unterschied zwischen EN 166 und ANSI Z87.1?

EN 166 ist die europäische, ANSI Z87.1 die US-amerikanische Norm für Augenschutz. Beide prüfen Schlagfestigkeit und optische Qualität, verwenden aber unterschiedliche Tests und Kennzeichnungen, etwa F oder B in Europa und Z87+ in den USA.

Gibt es Schutzbrillen mit Sehstärke?

Ja. Korrektionsschutzbrillen werden nach Ihrer Verordnung gefertigt und als Ganzes nach EN 166 geprüft. Alternativen sind Überbrillen und Schutzbrillen mit Korrektionseinsatz. Am Arbeitsplatz trägt in Deutschland der Arbeitgeber die Kosten, wenn Augenschutz erforderlich ist.

Welche Sportarten erfordern eine Schutzbrille?

Besonders empfohlen ist sie bei Squash, Racquetball und Badminton sowie bei Ballsportarten wie Basketball oder Hockey. Bei Paintball und Airsoft ist eine spezielle Vollmaske Pflicht. Auch beim Radfahren und Skifahren schützt eine geeignete Brille vor Verletzungen und UV-Strahlung.

Kann ich mit Kontaktlinsen unter der Schutzbrille arbeiten?

In vielen Situationen ja, sofern eine geeignete Schutzbrille darüber getragen wird. In staubiger Umgebung, bei Chemikalien oder Rauch sind Kontaktlinsen aber ungünstig, weil Partikel und Dämpfe unter die Linse gelangen können.

Wann muss eine Schutzbrille ersetzt werden?

Nach jedem harten Aufprall, bei Rissen, stark zerkratzten Scheiben oder beschädigter Fassung. Beachten Sie außerdem die Herstellerangaben zur Nutzungsdauer, da Kunststoffe mit der Zeit altern.

Was tun bei einer Verätzung des Auges?

Sofort mindestens 10 bis 15 Minuten mit viel fließendem Wasser spülen und das Lid dabei offenhalten. Anschließend umgehend eine Augenklinik aufsuchen oder den Notruf 112 wählen. Keine Zeit mit der Suche nach speziellen Spüllösungen verlieren.

Quellen
  • DIN EN 166 – Persönlicher Augenschutz: Anforderungen
  • ANSI/ISEA Z87.1 – American National Standard for Occupational and Educational Personal Eye and Face Protection Devices
  • ASTM F803 – Standard Specification for Eye Protectors for Selected Sports
  • American Academy of Ophthalmology – Protective Eyewear / Recommended Sports Eye Protection
  • Occupational Safety and Health Administration (OSHA) – Eye and Face Protection (29 CFR 1910.133)
  • Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) Regel 112-192 – Benutzung von Augen- und Gesichtsschutz
  • PSA-Benutzungsverordnung und Arbeitsschutzgesetz (Deutschland)

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