Augengymnastik

Übungen & Entspannung

Warum Blinzeln wichtiger ist, als Sie denken

Blinzeln hält den Tränenfilm intakt. Am Bildschirm blinzeln wir seltener und unvollständig – mit Folgen für die Meibom-Drüsen. So trainieren Sie den Lidschlag.

7 Min. Lesezeit Redaktion

Wir blinzeln Tausende Male am Tag, ohne es zu bemerken. Jeder Lidschlag dauert nur einen Bruchteil einer Sekunde, und doch ist er eine der wichtigsten Schutzfunktionen des Auges. Mit jedem Blinzeln wird der Tränenfilm erneuert, die Augenoberfläche gereinigt und mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Fällt diese Funktion teilweise aus, merken wir das schnell: Die Augen brennen, jucken, fühlen sich sandig an oder werden rot.

Gerade bei Bildschirmarbeit verändert sich unser Blinzelverhalten erheblich. Wir blinzeln seltener und oft nur halb. Das ist einer der Hauptgründe, warum so viele Menschen am Ende eines Arbeitstages über trockene, müde Augen klagen. In diesem Beitrag erfahren Sie, was beim Blinzeln genau passiert, welche Rolle die Meibom-Drüsen spielen und wie Sie Ihren Lidschlag mit einfachen Übungen verbessern können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Blinzeln verteilt den Tränenfilm, reinigt die Augenoberfläche und schützt das Auge.
  • Bei konzentrierter Bildschirmarbeit sinkt die Blinzelrate in Studien deutlich, oft um die Hälfte oder mehr.
  • Viele Lidschläge am Bildschirm sind unvollständig: Die Lider schließen sich nicht ganz, der untere Teil der Hornhaut trocknet aus.
  • Vollständiges Blinzeln regt die Meibom-Drüsen an, die die fettige Schutzschicht des Tränenfilms bilden.
  • Gezielte Blinzelübungen, Bildschirmpausen und warme Kompressen können die Beschwerden lindern.

Was beim Blinzeln passiert

Der Tränenfilm ist nur wenige Tausendstel Millimeter dick, besteht aber aus mehreren Komponenten, die eng zusammenarbeiten:

  • Schleimschicht (Muzinschicht): Sie liegt direkt auf der Hornhaut und sorgt dafür, dass die wässrige Schicht haften kann.
  • Wässrige Schicht: Sie wird von der Tränendrüse gebildet, enthält Salze, Eiweiße, Abwehrstoffe und Nährstoffe.
  • Fettschicht (Lipidschicht): Sie stammt aus den Meibom-Drüsen im Lidrand und verhindert, dass die wässrige Schicht zu schnell verdunstet.

Mit jedem Lidschlag streicht das Oberlid wie ein Scheibenwischer über das Auge. Es verteilt den Tränenfilm gleichmäßig, schiebt Staub und Zelltrümmer in Richtung Tränenkanal und drückt eine kleine Menge Fett aus den Meibom-Drüsen. Zwischen zwei Lidschlägen wird der Tränenfilm dünner und reißt irgendwann auf. Wenn wir rechtzeitig blinzeln, merken wir davon nichts. Wenn nicht, entstehen trockene Stellen, die die Nerven der Hornhaut reizen.

Die Hornhaut ist eines der am dichtesten mit Nerven versorgten Gewebe des Körpers. Deshalb spüren wir selbst kleine trockene Stellen als Brennen oder Fremdkörpergefühl. Mehr über den Aufbau des Auges lesen Sie in unserem Ratgeber zur Anatomie des Auges.

Wie oft blinzeln wir eigentlich?

Im entspannten Zustand, etwa im Gespräch, blinzeln Erwachsene typischerweise etwa 15- bis 20-mal pro Minute, wobei die Werte individuell stark schwanken. Beim konzentrierten Lesen, Autofahren oder bei Bildschirmarbeit sinkt die Rate deutlich. Mehrere Studien haben gezeigt, dass Menschen am Computer oder Smartphone teilweise nur noch einen Bruchteil so oft blinzeln wie im Gespräch.

SituationBlinzelverhalten (Tendenz)Auswirkung
Gespräch, EntspannungHäufig, meist vollständigTränenfilm stabil
Lesen eines BuchesSeltenerLeichte Austrocknung möglich
Bildschirmarbeit, VideospieleDeutlich seltener, oft unvollständigTrockene, brennende Augen
Autofahren, besonders nachtsSeltenerTrockenheit, schwankende Sicht
Klimatisierte oder beheizte RäumeVerdunstung erhöhtVerstärkt die Beschwerden

Warum blinzeln wir bei Konzentration weniger? Das Gehirn unterdrückt den Lidschlag offenbar, damit uns keine wichtigen visuellen Informationen entgehen. Hinzu kommt, dass wir beim Blick auf einen Bildschirm die Augen weiter öffnen als beim Lesen eines Buches, das wir meist nach unten halten. Eine größere offene Augenfläche bedeutet mehr Verdunstung.

Das unterschätzte Problem: Unvollständiges Blinzeln

Nicht nur die Häufigkeit zählt, sondern auch die Qualität des Lidschlags. Bei einem unvollständigen Blinzeln senkt sich das Oberlid nur teilweise und berührt das Unterlid nicht. Untersuchungen zeigen, dass dies bei Bildschirmarbeit besonders häufig vorkommt.

Die Folgen sind zweifach:

  1. Austrocknung des unteren Hornhautbereichs: Der untere Teil der Augenoberfläche wird nicht ausreichend benetzt. Augenärzte sehen hier bei der Untersuchung mit Farbstoff oft typische Trockenheitsschäden.
  2. Weniger Fett aus den Meibom-Drüsen: Erst ein vollständiger Lidschluss übt genug Druck aus, um die Drüsen zu entleeren. Bleibt dieser Druck aus, wird weniger Fett abgegeben und der Tränenfilm verdunstet schneller.

Sie können Ihr eigenes Blinzeln testen: Bitten Sie jemanden, Sie bei der Bildschirmarbeit unauffällig eine Minute lang zu beobachten, oder nehmen Sie sich mit der Laptop-Kamera auf. Viele Menschen sind überrascht, wie selten und wie flach sie blinzeln.

Meibom-Drüsen: Die kleinen Ölquellen der Augen

In jedem Lid liegen zahlreiche kleine Talgdrüsen, die Meibom-Drüsen. Sie münden am Lidrand direkt hinter den Wimpern und geben ein öliges Sekret ab. Dieses Fett bildet die äußere Schicht des Tränenfilms und ist entscheidend dafür, dass die Tränen nicht innerhalb weniger Sekunden verdunsten.

Die Funktionsstörung dieser Drüsen (Meibom-Drüsen-Dysfunktion) gilt als eine der häufigsten Ursachen des trockenen Auges. Dabei wird das Sekret zäh, die Drüsenausgänge verstopfen, und auf Dauer können Drüsen verkümmern. Risikofaktoren sind unter anderem das Alter, hormonelle Veränderungen, Hauterkrankungen wie Rosazea, Kontaktlinsentragen, bestimmte Medikamente und eben ein reduziertes oder unvollständiges Blinzeln.

Typische Anzeichen einer Meibom-Drüsen-Dysfunktion sind:

  • Brennen und Fremdkörpergefühl, oft morgens oder am Ende des Tages
  • gerötete, verdickte Lidränder
  • schaumige Tränen oder verkrustete Wimpern
  • schwankendes, verschwommenes Sehen, das sich durch Blinzeln kurz bessert
  • paradoxerweise tränende Augen, weil das Auge reflexhaft mehr Tränen produziert

Eng verwandt ist die Lidrandentzündung, über die unser Ratgeber zur Blepharitis ausführlich informiert.

Blinzelübungen: So trainieren Sie den Lidschlag

Die gute Nachricht: Das Blinzelverhalten lässt sich trainieren. Ziel der Übungen ist es, wieder häufiger und vor allem vollständig zu blinzeln. Einige kleine Studien deuten darauf hin, dass ein solches Training Beschwerden bei Bildschirmarbeit lindern kann. Die Evidenz ist noch begrenzt, die Übungen sind aber einfach und ohne Risiko.

Übung 1: Bewusstes vollständiges Blinzeln

  1. Schließen Sie die Augen ganz normal, aber vollständig, sodass sich Ober- und Unterlid berühren.
  2. Halten Sie die Augen etwa zwei Sekunden geschlossen.
  3. Kneifen Sie die Lider sanft zusammen, ohne zu verkrampfen, und halten Sie dies weitere zwei Sekunden.
  4. Öffnen Sie die Augen langsam wieder.
  5. Wiederholen Sie die Übung zehnmal, mehrmals am Tag.

Übung 2: Schnelles Blinzeln

Blinzeln Sie zehn bis fünfzehn Sekunden lang locker und rasch hintereinander. Danach schließen Sie die Augen für einige Sekunden. Diese Übung verteilt den Tränenfilm und lockert die Lidmuskulatur.

Übung 3: Blinzeln mit Erinnerung

Verknüpfen Sie das Blinzeln mit festen Auslösern im Alltag, etwa jedem Absenden einer E-Mail oder jedem Seitenwechsel. Manche Menschen nutzen kleine Klebezettel am Monitor oder eine Erinnerungs-App.

Eine geführte Version finden Sie bei unserer Blinzelübung. Mit unserem Pausen-Timer können Sie sich zusätzlich regelmäßig an kurze Augenpausen erinnern lassen.

Ein guter Rhythmus: Alle 20 Minuten zehn bewusste, vollständige Lidschläge und anschließend 20 Sekunden in die Ferne schauen. So verbinden Sie das Blinzeltraining mit der 20-20-20-Regel.

Weitere Maßnahmen für einen gesunden Tränenfilm

Warme Kompressen und Lidhygiene

Wärme macht das zähe Sekret der Meibom-Drüsen wieder flüssiger. Eine warme, feuchte Kompresse oder eine spezielle Wärmemaske für fünf bis zehn Minuten auf die geschlossenen Lider, gefolgt von einer sanften Lidrandmassage und Reinigung, wird bei Meibom-Drüsen-Dysfunktion häufig empfohlen. Achten Sie darauf, dass die Kompresse nicht zu heiß ist.

Bildschirm richtig positionieren

Platzieren Sie den Monitor so, dass die Oberkante etwas unter Augenhöhe liegt. Wenn Sie leicht nach unten schauen, sind die Augen weniger weit geöffnet und die Verdunstung geringer. Detaillierte Tipps gibt unser Beitrag zur idealen Bildschirmeinrichtung.

Raumklima

Trockene Heizungsluft, Klimaanlagen und Ventilatoren, die direkt ins Gesicht blasen, fördern die Verdunstung. Regelmäßiges Lüften, Luftbefeuchter und eine geschickte Platzierung des Arbeitsplatzes helfen.

Künstliche Tränen

Benetzende Augentropfen können den Tränenfilm ergänzen. Bei Meibom-Drüsen-Dysfunktion eignen sich oft Präparate mit Lipidanteil. Welches Produkt passt, hängt von der Art der Trockenheit ab. Ausführliche Informationen finden Sie im Ratgeber zum trockenen Auge.

Kontaktlinsen und Blinzeln

Kontaktlinsenträger sind besonders auf einen guten Lidschlag angewiesen. Eine weiche Linse teilt den Tränenfilm in eine Schicht vor und eine hinter der Linse. Der Film vor der Linse ist dünner und reißt schneller auf. Gleichzeitig dämpft die Linse die Empfindlichkeit der Hornhaut, sodass der natürliche Reiz zum Blinzeln schwächer wird. Viele Linsenträger blinzeln deshalb noch seltener und unvollständiger als andere Menschen, besonders am Bildschirm. Die Folge sind trockene Linsen, Ablagerungen und ein unangenehmes Gefühl gegen Abend. Bewusstes, vollständiges Blinzeln, benetzende Tropfen, die für Kontaktlinsen geeignet sind, und gelegentliche Brillentage helfen. Bei anhaltenden Beschwerden kann ein anderes Linsenmaterial oder ein Wechsel auf Tageslinsen sinnvoll sein. Lassen Sie sich dazu beraten.

Blinzeln bei Kindern und Gamern

Auch Kinder blinzeln beim Spielen am Tablet oder an der Konsole deutlich seltener. Sie bemerken Trockenheit oft nicht bewusst, reiben sich aber die Augen oder werden quengelig. Regelmäßige Pausen, Spiel im Freien und feste Bildschirmzeiten helfen. Für Erwachsene, die viel spielen, gilt dasselbe: Je spannender das Geschehen, desto mehr unterdrückt das Gehirn den Lidschlag. Planen Sie nach jeder Runde eine kurze Blinzel- und Fernblickpause ein.

Wenn das Blinzeln selbst gestört ist

Manchmal liegt das Problem nicht im Verhalten, sondern in einer Erkrankung. Bei einer Gesichtslähmung (Fazialisparese) können sich die Lider nicht mehr richtig schließen, was das Auge akut gefährdet. Bei der endokrinen Orbitopathie im Rahmen einer Schilddrüsenerkrankung treten die Augen hervor und die Lider ziehen sich zurück. Bei der Parkinson-Krankheit ist die Blinzelrate oft deutlich verringert. Umgekehrt gibt es Erkrankungen mit übermäßigem, unwillkürlichem Blinzeln oder Lidkrampf (Blepharospasmus).

Harmloses Lidzucken, bei dem nur ein kleiner Teil des Lids flattert, ist dagegen meist durch Stress, Müdigkeit oder Koffein bedingt. Mehr dazu in unserem Beitrag zum Augenlidzucken.

Wann Sie zum Augenarzt sollten

Wenn Ihre Augen trotz Blinzelübungen, Pausen und Befeuchtung über Wochen trocken, gerötet oder gereizt bleiben, sollten Sie das untersuchen lassen. Augenärzte können die Stabilität des Tränenfilms messen, die Meibom-Drüsen beurteilen und gezielt behandeln, etwa mit Lidhygiene, speziellen Tropfen oder Wärmetherapien in der Praxis.

Bitte zeitnah oder sofort ärztlich abklären lassen: starke Augenschmerzen, deutlich verminderte Sehschärfe, ein rotes Auge mit Lichtscheu, ein weißer Fleck auf der Hornhaut, Beschwerden bei Kontaktlinsenträgern, die nach Herausnehmen der Linse nicht rasch besser werden, sowie ein plötzlich nicht mehr schließendes Augenlid oder eine einseitige Gesichtslähmung. Bei Lähmungserscheinungen im Gesicht wählen Sie den Notruf 112, da ein Schlaganfall vorliegen kann.

Blinzeln ist ein unscheinbarer Reflex mit großer Wirkung. Wer ihm im digitalen Alltag etwas mehr Aufmerksamkeit schenkt, tut seinen Augen einen einfachen, aber spürbaren Gefallen.

Häufig gestellte Fragen

Wie oft blinzelt ein Mensch normalerweise?

Im entspannten Zustand blinzeln Erwachsene typischerweise etwa 15- bis 20-mal pro Minute, wobei die Werte individuell stark schwanken. Bei konzentrierter Bildschirmarbeit sinkt die Rate in Studien deutlich.

Was ist unvollständiges Blinzeln?

Dabei schließt sich das Oberlid nur teilweise und berührt das Unterlid nicht. Der untere Teil der Hornhaut wird dann nicht ausreichend benetzt, und die Meibom-Drüsen geben weniger Fett ab. Das fördert trockene Augen.

Helfen Blinzelübungen wirklich?

Kleine Studien deuten darauf hin, dass Blinzeltraining Beschwerden bei Bildschirmarbeit lindern kann. Die Evidenz ist noch begrenzt, die Übungen sind aber einfach und risikofrei. Sie wirken am besten zusammen mit Pausen und einer guten Arbeitsplatzgestaltung.

Was sind Meibom-Drüsen?

Das sind kleine Talgdrüsen im Lidrand, die die Fettschicht des Tränenfilms bilden. Diese Schicht verhindert, dass die Tränen zu schnell verdunsten. Eine Funktionsstörung dieser Drüsen ist eine der häufigsten Ursachen für trockene Augen.

Warum tränen meine Augen, obwohl sie trocken sind?

Wenn die Augenoberfläche austrocknet, reagiert das Auge reflexhaft mit vermehrtem Tränenfluss. Diese Reflextränen sind jedoch wässrig und enthalten wenig Fett, sodass sie schnell wieder verdunsten oder überlaufen.

Hilft ein Bildschirm-Abstand gegen trockene Augen?

Wichtiger als der Abstand ist die Höhe: Liegt die Oberkante des Monitors etwas unter Augenhöhe, sind die Augen weniger weit geöffnet und die Verdunstung geringer. Regelmäßige Pausen und bewusstes Blinzeln ergänzen diese Maßnahme.

Quellen
  • Tear Film & Ocular Surface Society (TFOS) – Dry Eye Workshop II (DEWS II) Report, 2017
  • TFOS International Workshop on Meibomian Gland Dysfunction, 2011
  • American Academy of Ophthalmology – Computers, Digital Devices and Eye Strain
  • Tsubota K, Nakamori K – Dry eyes and video display terminals, New England Journal of Medicine 1993
  • Portello JK et al. – Blink rate, incomplete blinks and computer vision syndrome, Optometry and Vision Science 2013
  • American Optometric Association – Computer Vision Syndrome

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