Palming und andere Entspannungstechniken für müde Augen
Palming kann müden Augen eine wohltuende Pause verschaffen. Wie Sie die Technik richtig anwenden, sie mit Atmung und Pausen kombinieren und was sie nicht leisten kann.
Nach einem langen Tag am Bildschirm fühlen sich die Augen schwer, trocken und müde an. Viele Menschen schließen dann instinktiv die Augen und legen die Hände darüber. Genau das ist der Kern einer Technik, die unter dem englischen Namen Palming bekannt ist: Die warmen Handflächen werden über die geschlossenen Augen gelegt, um für einige Minuten Dunkelheit und Ruhe zu schaffen.
Palming ist einfach, kostenlos und fast überall möglich. Es wird allerdings oft mit großen Versprechen verbunden, etwa dass man damit die Brille loswerden könne. Dieser Beitrag erklärt, wie Sie Palming richtig ausführen, warum es sich entspannend anfühlen kann, welche weiteren Techniken müden Augen guttun und wo die Grenzen liegen.
Das Wichtigste in Kürze
- Beim Palming werden die gewölbten, warmen Handflächen locker über die geschlossenen Augen gelegt, ohne Druck auf die Augäpfel.
- Ruhiges, tiefes Atmen verstärkt die entspannende Wirkung.
- Palming kann sich wohltuend anfühlen und eine bewusste Pause schaffen, vor allem bei Bildschirmarbeit.
- Es gibt keine wissenschaftlichen Belege, dass Palming Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Hornhautverkrümmung oder Alterssichtigkeit korrigiert.
- Am meisten bringt Palming in Kombination mit regelmäßigen Pausen, bewusstem Blinzeln und einer guten Bildschirmeinrichtung.
Woher Palming kommt
Palming wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von dem amerikanischen Augenarzt William Bates populär gemacht. Er glaubte, dass Fehlsichtigkeiten durch angespannte Augenmuskeln entstünden und sich durch Entspannungsübungen heilen ließen. Diese Annahme wurde wissenschaftlich widerlegt: Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit und Astigmatismus beruhen vor allem auf der Form und Länge des Augapfels sowie der Krümmung von Hornhaut und Linse, nicht auf Muskelverspannungen.
Die sogenannte Bates-Methode als Heilmittel gegen Fehlsichtigkeit wird von augenärztlichen Fachgesellschaften daher nicht empfohlen. Das Palming selbst hat sich aber als einfache Entspannungstechnik gehalten. Losgelöst von falschen Heilversprechen kann es durchaus eine angenehme Auszeit für die Augen sein. Was die Forschung insgesamt über Augenübungen sagt, fasst unser Beitrag Was die Wissenschaft wirklich über Augenübungen sagt zusammen.
So führen Sie Palming richtig aus
Palming dauert nur wenige Minuten und lässt sich am Schreibtisch, auf dem Sofa oder im Zug durchführen. Wichtig ist eine bequeme Haltung.
- Bequem hinsetzen: Setzen Sie sich aufrecht hin, die Füße flach auf dem Boden. Stützen Sie die Ellbogen auf einem Tisch auf, gegebenenfalls auf einem Kissen, damit Nacken und Schultern locker bleiben.
- Brille oder Kontaktlinsen: Nehmen Sie eine Brille ab. Weiche Kontaktlinsen können meist drin bleiben.
- Hände anwärmen: Reiben Sie die Handflächen einige Sekunden kräftig aneinander, bis sie warm sind.
- Augen schließen: Schließen Sie die Augen sanft, ohne sie zusammenzukneifen.
- Hände auflegen: Wölben Sie die Hände leicht und legen Sie sie so über die Augen, dass die Handballen auf den Wangenknochen und die Finger überkreuzt auf der Stirn ruhen. Die Handflächen berühren die Augen nicht.
- Kein Druck: Achten Sie darauf, dass kein Druck auf die Augäpfel entsteht. Es sollte möglichst wenig Licht eindringen.
- Atmen und entspannen: Atmen Sie ruhig und tief. Lassen Sie Gesicht, Kiefer und Schultern locker.
- Dauer: Bleiben Sie ein bis drei Minuten in dieser Position, bei Bedarf auch länger.
- Langsam beenden: Nehmen Sie die Hände langsam weg, öffnen Sie die Augen allmählich und blinzeln Sie einige Male, damit sie sich wieder an das Licht gewöhnen.
Eine geführte Version mit Zeitmesser finden Sie bei unserer Palming-Übung.
Vorsicht: Drücken Sie niemals auf die Augen. Druck auf den Augapfel kann unangenehm sein und ist besonders nach Augenoperationen, bei Glaukom, Keratokonus oder starker Kurzsichtigkeit zu vermeiden. Nach Operationen am Auge fragen Sie vor solchen Übungen bitte Ihren Augenarzt.
Häufige Fehler beim Palming
- Zu viel Druck: Die Hände sollen eine Höhle bilden, nicht auf die Augen pressen. Wer danach Farbflecken oder Flimmern sieht, hat zu fest gedrückt.
- Verkrampfte Haltung: Ohne Ellbogenstütze ziehen viele die Schultern hoch. Dann verspannt der Nacken, und der Effekt verpufft.
- Kalte Hände: Kalte Handflächen wirken eher störend. Reiben Sie sie vorher warm oder legen Sie sie kurz an eine warme Tasse.
- Gedanklich weiterarbeiten: Wer während des Palmings die nächste E-Mail formuliert, entspannt kaum. Konzentrieren Sie sich auf den Atem.
- Zu selten: Einmal am Tag zehn Minuten bringt weniger als mehrere kurze Pausen über den Tag verteilt.
Die Rolle der Atmung
Palming wird deutlich wirksamer, wenn Sie es mit einer ruhigen Atemtechnik verbinden. Langsames, tiefes Atmen in den Bauch aktiviert den Teil des Nervensystems, der für Erholung zuständig ist (Parasympathikus). Herzschlag und Muskelspannung können sinken, und viele Menschen fühlen sich danach ruhiger.
Eine einfache Methode ist die verlängerte Ausatmung:
- Atmen Sie durch die Nase etwa vier Sekunden lang ein.
- Halten Sie den Atem kurz an, wenn es angenehm ist.
- Atmen Sie durch den leicht geöffneten Mund etwa sechs Sekunden lang aus.
- Wiederholen Sie dies sechs- bis zehnmal.
Wer mag, kann sich dabei ein beruhigendes Bild vorstellen, etwa einen dunklen Nachthimmel oder eine ruhige Landschaft. Eine geführte Atemübung bietet unsere Atemübung.
Warum sich Palming entspannend anfühlen kann
Auch ohne Heilwirkung auf die Sehschärfe gibt es plausible Gründe, warum Palming vielen Menschen guttut:
- Pause vom Nahsehen: Beim Lesen und bei Bildschirmarbeit sind der Ziliarmuskel und die Augenmuskeln für die Nähe ständig aktiv. Mit geschlossenen Augen ruht diese Nahanstrengung.
- Reizreduktion: Dunkelheit entlastet das visuelle System vom ständigen Strom an Informationen, Licht und Bewegung.
- Feuchtigkeit: Geschlossene Lider schützen den Tränenfilm vor Verdunstung. Trockene, brennende Augen können sich danach angenehmer anfühlen.
- Wärme: Die warmen Hände wirken wie eine sanfte Kompresse und können als wohltuend empfunden werden.
- Bewusste Pause: Palming unterbricht die Arbeit und lädt zum Durchatmen ein. Das hilft auch gegen Stress, der Augenbeschwerden oft verstärkt.
Was Palming nicht kann
Hier ist Ehrlichkeit besonders wichtig. Palming kann eine angenehme Entspannung sein, aber:
| Versprechen | Was die Evidenz sagt |
|---|---|
| Heilt Kurzsichtigkeit | Nein. Kurzsichtigkeit beruht meist auf einem zu langen Augapfel; Entspannung ändert daran nichts. |
| Macht die Lesebrille überflüssig | Nein. Alterssichtigkeit entsteht durch die nachlassende Elastizität der Augenlinse. |
| Korrigiert Hornhautverkrümmung | Nein. Die Form der Hornhaut wird durch Palming nicht verändert. |
| Hilft gegen Grauen oder Grünen Star | Nein. Diese Erkrankungen brauchen ärztliche Behandlung. |
| Lindert akute Augenmüdigkeit | Kann sich subjektiv angenehm anfühlen; gute Studien fehlen. |
| Fördert Entspannung | Plausibel, vor allem in Kombination mit ruhiger Atmung. |
Wer unscharf sieht, sollte deshalb nicht auf Übungen hoffen, sondern seine Augen untersuchen lassen. Eine passende Brille ist die wichtigste Maßnahme gegen Überanstrengung. Mehr zu Brechungsfehlern lesen Sie im Ratgeber Fehlsichtigkeiten verständlich erklärt.
Weitere Entspannungstechniken für die Augen
Palming ist nur eine von mehreren Möglichkeiten, den Augen eine Pause zu gönnen. Die folgenden Techniken lassen sich gut kombinieren.
Die 20-20-20-Regel
Schauen Sie alle 20 Minuten für etwa 20 Sekunden auf einen Punkt in mindestens sechs Metern Entfernung. Das entspannt die Nahanstrengung der Augen. Die Regel ist leicht umzusetzen und wird von vielen Augenärzten empfohlen.
Bewusstes Blinzeln
Am Bildschirm blinzeln wir deutlich seltener und oft unvollständig. Schließen Sie die Augen mehrmals hintereinander sanft und vollständig, halten Sie sie kurz geschlossen und öffnen Sie sie wieder. Das verteilt den Tränenfilm neu.
Warme Kompressen
Ein warmer, feuchter Waschlappen oder eine spezielle Wärmemaske für einige Minuten auf den geschlossenen Lidern kann die Talgdrüsen am Lidrand unterstützen und wird bei trockenen Augen oft empfohlen. Achten Sie darauf, dass die Kompresse nur angenehm warm und nicht heiß ist.
Sanfte Massage der Augenumgebung
Kreisende Bewegungen mit den Fingerspitzen an Schläfen, Augenbrauen und Wangenknochen können Verspannungen lösen. Massieren Sie dabei nie direkt auf den Augäpfeln.
Blick in die Ferne und ins Grüne
Ein Blick aus dem Fenster oder ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft entspannt die Augen und den Kopf zugleich. Tageslicht wirkt sich außerdem positiv auf Stimmung und Schlafrhythmus aus.
Ein Mini-Programm für den Arbeitstag
Am wirksamsten ist eine Kombination aus kurzen, regelmäßigen Pausen und einer augenfreundlichen Arbeitsumgebung. Ein Beispiel für einen Bürotag:
| Zeitpunkt | Übung | Dauer |
|---|---|---|
| Alle 20 Minuten | Blick in die Ferne (20-20-20) | 20 Sekunden |
| Jede Stunde | Bewusstes Blinzeln und kurz aufstehen | 1 Minute |
| Vormittags und nachmittags | Palming mit ruhiger Atmung | 2 bis 3 Minuten |
| Mittagspause | Spaziergang im Tageslicht | 10 bis 20 Minuten |
| Abends | Warme Kompresse bei trockenen Augen | 5 bis 10 Minuten |
Ein fertig zusammengestelltes Pausenprogramm für Bildschirmarbeiter finden Sie unter Augenprogramm fürs Büro. Ebenso wichtig ist die richtige Einrichtung des Arbeitsplatzes mit ausreichendem Abstand zum Monitor, blendfreiem Licht und einer passenden Bildschirmhöhe. Mehr dazu im Ratgeber zur digitalen Augenbelastung.
Verknüpfen Sie Palming mit festen Gewohnheiten, etwa nach jeder Videokonferenz oder bevor Sie das Mittagessen holen. So wird die Pause zur Routine, ohne dass Sie daran denken müssen.
Für wen Palming geeignet ist
Palming ist für fast alle Erwachsenen und Kinder geeignet, die eine kurze Auszeit für die Augen suchen. Besonders profitieren können Menschen mit viel Bildschirmarbeit, Vielleser, Studierende und alle, die bei Stress zu verspannten Schultern und müden Augen neigen. Kinder können Palming spielerisch als kleine Dunkel-Pause lernen.
Verzichten oder vorher ärztlich nachfragen sollten Personen kurz nach Augenoperationen, bei akuten Entzündungen oder Infektionen der Augen und Lider sowie bei Schmerzen. In diesen Fällen sollte die Ursache zuerst abgeklärt werden.
Wann Sie zum Augenarzt sollten
Wenn Ihre Augen trotz Pausen, Entspannung und guter Arbeitsplatzgestaltung regelmäßig brennen, müde sind oder Sie häufig Kopfschmerzen haben, steckt möglicherweise eine unkorrigierte Fehlsichtigkeit, ein trockenes Auge oder ein Problem mit dem beidäugigen Sehen dahinter. Lassen Sie das augenärztlich abklären.
Bitte umgehend ärztlich abklären lassen: plötzlich verschlechtertes Sehen, Doppelbilder, starke Augenschmerzen, ein rotes Auge mit Lichtscheu, neu auftretende Lichtblitze oder viele schwarze Punkte, ein Schatten im Gesichtsfeld sowie Kopfschmerzen mit Sehstörungen und Übelkeit. Solche Beschwerden lassen sich nicht durch Entspannungsübungen behandeln.
Palming ist kein Wundermittel, aber eine kleine, wohltuende Gewohnheit. Richtig eingesetzt, als Teil regelmäßiger Pausen, kann es helfen, den Bildschirmalltag für die Augen angenehmer zu gestalten.
Häufig gestellte Fragen
Kann Palming meine Sehkraft verbessern?
Nein, es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Palming Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Hornhautverkrümmung oder Alterssichtigkeit korrigiert. Es kann sich aber entspannend anfühlen und eine bewusste Pause schaffen.
Wie lange sollte man palmieren?
Ein bis drei Minuten reichen in der Regel aus, gern mehrmals am Tag. Wichtig ist eine bequeme Haltung, ruhiges Atmen und dass kein Druck auf die Augen entsteht.
Darf ich beim Palming Kontaktlinsen tragen?
Weiche Kontaktlinsen können in der Regel im Auge bleiben, da kein Druck auf die Augen ausgeübt wird. Eine Brille sollten Sie vorher abnehmen.
Ist Palming für Kinder geeignet?
Ja, Kinder können Palming spielerisch als kurze Dunkel-Pause lernen, etwa nach den Hausaufgaben. Es ersetzt aber keine augenärztliche Untersuchung, wenn ein Kind schlecht sieht oder über Beschwerden klagt.
Was ist die Bates-Methode?
Die Bates-Methode geht auf einen Augenarzt des frühen 20. Jahrhunderts zurück, der glaubte, Fehlsichtigkeit durch Entspannungsübungen heilen zu können. Diese Theorie ist wissenschaftlich widerlegt. Einzelne Techniken wie Palming können dennoch als Entspannung genutzt werden.
Was hilft außer Palming gegen müde Augen?
Bewährt haben sich regelmäßige Pausen nach der 20-20-20-Regel, bewusstes Blinzeln, warme Kompressen bei trockenen Augen, eine gute Bildschirmeinrichtung und eine passende Brille. Bei anhaltenden Beschwerden sollte ein Augenarzt die Ursache klären.
Quellen
- American Academy of Ophthalmology – Computer Use and Eye Strain / Eye Exercises: Do They Work?
- American Academy of Ophthalmology – Vision Therapy and the Bates Method (Clinical Statement)
- Rawstron JA et al. – A systematic review of the applicability and efficacy of eye exercises, Journal of Pediatric Ophthalmology and Strabismus 2005
- NHS – Breathing exercises for stress
- American Optometric Association – Computer Vision Syndrome
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