Die richtige Brillenfassung für Ihre Gesichtsform finden
Eine gute Brille muss nicht nur gefallen, sondern auch sitzen und zu Ihren Gläsern passen. So wählen Sie Fassungen nach Gesichtsform, Größe und Stärke Ihrer Korrektur aus.
Eine Brille ist für viele Menschen das auffälligste Accessoire, das sie besitzen. Sie sitzt mitten im Gesicht, wird täglich viele Stunden getragen und prägt den ersten Eindruck. Kein Wunder, dass die Auswahl einer neuen Fassung oft schwerfällt: Hunderte Modelle, Farben und Materialien stehen zur Wahl, und was am Nachbarn gut aussieht, wirkt am eigenen Gesicht manchmal fremd.
Die Gesichtsform ist ein hilfreicher Ausgangspunkt, aber nicht die einzige Regel. Mindestens genauso wichtig sind die richtige Größe, ein guter Sitz auf Nase und Ohren und die Frage, wie gut die Fassung zu Ihren Brillengläsern passt. Gerade bei starker Kurzsichtigkeit oder Gleitsichtgläsern kann die falsche Fassung das Seherlebnis deutlich verschlechtern. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie Ihre Gesichtsform bestimmen, wie das Kontrastprinzip funktioniert und worauf es bei Passform und Glasstärke ankommt.
Das Wichtigste in Kürze
- Als Faustregel gilt das Kontrastprinzip: Eckige Fassungen schmeicheln runden Gesichtern, runde Fassungen weichen kantige Gesichtszüge auf.
- Die Fassung sollte etwa so breit sein wie die breiteste Stelle des Gesichts, und die Augen sollten ungefähr mittig in den Gläsern sitzen.
- Steg und Bügel entscheiden über den Tragekomfort. Eine Brille darf weder drücken noch rutschen.
- Bei starker Kurzsichtigkeit sind kleine, runde oder ovale Fassungen günstiger, weil die Glasränder dünner bleiben.
- Für Gleitsichtgläser braucht die Fassung eine ausreichende Glashöhe.
Schritt 1: Die eigene Gesichtsform bestimmen
Die meisten Gesichter lassen sich grob einer von fünf oder sechs Grundformen zuordnen. Kaum jemand passt perfekt in eine Kategorie, und das ist auch nicht nötig. Es geht darum, die dominanten Merkmale zu erkennen: Ist Ihr Gesicht eher lang oder eher breit? Sind die Konturen weich oder kantig? Wo ist das Gesicht am breitesten?
Ein einfacher Trick: Stellen Sie sich mit zurückgebundenen Haaren vor einen Spiegel und zeichnen Sie die Umrisse Ihres Gesichts mit einem abwischbaren Stift oder einem Stück Seife nach. Alternativ können Sie unseren Gesichtsform-Test verwenden, der Sie mit wenigen Fragen durch die Bestimmung führt.
- Ovales Gesicht: etwas länger als breit, ausgewogene Proportionen, sanft gerundetes Kinn und Stirn.
- Rundes Gesicht: etwa gleich lang wie breit, volle Wangen, weiche Konturen ohne markante Kanten.
- Eckiges Gesicht: breite Stirn, ausgeprägte Wangenknochen und ein kantiger Kieferbereich, Länge und Breite ähnlich.
- Herzförmiges Gesicht: breite Stirn und Wangenknochen, nach unten schmal zulaufend zu einem spitzen Kinn.
- Längliches oder rechteckiges Gesicht: deutlich länger als breit, oft hohe Stirn und gerade Wangenlinie.
- Rautenförmiges Gesicht: schmale Stirn und schmales Kinn, breiteste Stelle an den Wangenknochen.
Schritt 2: Das Kontrastprinzip anwenden
Die bekannteste Faustregel der Brillenberatung lautet: Die Fassung sollte einen Gegenpol zur Gesichtsform bilden. Gegensätze sorgen für Spannung und Ausgewogenheit, während eine Fassung, die die Gesichtsform nur wiederholt, diese zusätzlich betont.
| Gesichtsform | Empfehlenswerte Fassungen | Eher vermeiden |
|---|---|---|
| Oval | fast alle Formen; etwas breitere Fassungen erhalten die Balance | sehr große Fassungen, die das Gesicht überdecken |
| Rund | eckige und rechteckige Fassungen, betonte Ecken, breiter als hoch | kleine runde Fassungen, sehr schmale Modelle |
| Eckig | runde, ovale oder Panto-Formen, schmale Ränder, weiche Farben | kantige, schwere Fassungen mit geraden Linien |
| Herzförmig | unten betonte oder randlose Fassungen, Pilotenformen, leichte Materialien | oben schwere oder stark verzierte Fassungen |
| Länglich | höhere Fassungen, kräftige Bügel, betonte Oberkante, dunkler Steg | sehr schmale, flache Fassungen |
| Rautenförmig | ovale Fassungen, Cat-Eye-Formen, betonte Oberkante | schmale Fassungen, die die Wangenknochen zusätzlich betonen |
Diese Regeln sind Orientierungshilfen, keine Gesetze. Persönlicher Stil, Haarfarbe, Hautton, Augenbrauen und der Anlass spielen ebenfalls eine Rolle. Wer ein bewusst auffälliges Statement setzen möchte, kann Regeln auch gezielt brechen.
Augenbrauen, Farbe und Material
Ein oft unterschätzter Punkt sind die Augenbrauen. Idealerweise folgt die Oberkante der Fassung ungefähr dem Verlauf der Augenbrauen oder liegt knapp darunter. Brauen, die mitten durch das Glas schauen, wirken meist unruhig. Bei der Farbe gilt: Warme Töne wie Havanna, Gold oder Honig harmonieren mit warmen Hauttönen, kühle Töne wie Schwarz, Grau, Silber oder Blau mit kühlen Hauttönen. Leichte Materialien wie Titan oder moderne Kunststoffe verbessern den Komfort, besonders bei schweren Gläsern.
Schritt 3: Größe und Passform prüfen
Selbst die schönste Form nützt nichts, wenn die Brille nicht richtig sitzt. Eine schlecht angepasste Fassung rutscht, drückt, verursacht Kopfschmerzen und kann sogar die optische Qualität der Gläser beeinträchtigen, weil die Augen dann nicht durch den richtigen Bereich schauen.
Die Maße auf dem Bügel
Auf der Innenseite des Bügels finden Sie meist drei Zahlen, zum Beispiel 52 □ 18 140. Sie bedeuten:
- 52: die Glasbreite in Millimetern.
- 18: die Stegbreite, also der Abstand zwischen den Gläsern über der Nase.
- 140: die Bügellänge in Millimetern.
Wenn Ihnen eine vorhandene Brille gut passt, sind diese Zahlen ein guter Ausgangspunkt für die Suche nach einer neuen Fassung.
Checkliste für den richtigen Sitz
- Breite: Die Fassung ist etwa so breit wie Ihr Gesicht an den Schläfen. Sie steht seitlich nicht deutlich über und drückt nicht.
- Augen in der Mitte: Ihre Pupillen liegen ungefähr in der Mitte der Gläser, eher leicht oberhalb der Mitte. Wie der Pupillenabstand gemessen wird, erklärt unser Ratgeber Pupillendistanz.
- Steg: Die Brille liegt gleichmäßig auf dem Nasenrücken auf, ohne einzuschneiden. Bei flachem Nasenrücken sind verstellbare Nasenpads oder Modelle mit asiatischer Passform hilfreich.
- Bügel: Sie verlaufen gerade nach hinten und liegen hinter dem Ohr an, ohne zu drücken. Die Brille darf beim Vorbeugen nicht rutschen.
- Wangen: Beim Lächeln berührt die Fassung die Wangen nicht.
- Wimpern: Die Wimpern streifen beim Blinzeln nicht die Gläser.
Lassen Sie jede neue Brille von der Optikerin oder dem Optiker anpassen. Bügel und Nasenpads lassen sich in wenigen Minuten so einstellen, dass die Brille sicher und bequem sitzt. Das gilt auch für online gekaufte Brillen. Tipps zur Pflege und Nachjustierung finden Sie in unserem Ratgeber Brillenpflege.
Schritt 4: Die Glasstärke berücksichtigen
Hier unterscheiden sich gute von weniger guten Beratungen. Die Stärke Ihrer Gläser beeinflusst, welche Fassungen technisch und optisch sinnvoll sind.
Starke Kurzsichtigkeit (hohe Minuswerte)
Gläser zur Korrektur der Kurzsichtigkeit sind in der Mitte dünn und am Rand dick. Je stärker die Korrektur und je größer und breiter das Glas, desto dicker wird der Rand. Das sieht nicht nur weniger elegant aus, sondern macht die Brille auch schwerer und kann seitlich störende Reflexe erzeugen. Empfehlungen bei hohen Minuswerten:
- Kleinere Fassungen wählen, deren Glasmitte nahe an der Pupille liegt. Eine kleine Pupillendistanz und eine breite Fassung führen zu besonders dicken Außenrändern.
- Runde oder ovale Formen bevorzugen, da Ecken an der dicksten Stelle liegen.
- Vollrandfassungen aus Kunststoff verdecken den Rand besser als randlose oder Nylor-Fassungen.
- Hochbrechende Glasmaterialien (höherer Brechungsindex) machen die Gläser dünner. Mehr dazu in unserem Ratgeber Glasmaterialien.
Starke Weitsichtigkeit (hohe Pluswerte)
Plusgläser sind in der Mitte dick und am Rand dünn. Auch hier gilt: Kleinere Fassungen halten die Mittendicke geringer und das Gewicht niedriger. Zudem vergrößern Plusgläser die Augen optisch, was in großen Fassungen stärker auffällt.
Gleitsichtgläser
Gleitsichtgläser haben oben einen Fernbereich, in der Mitte einen Übergangsbereich und unten einen Nahbereich. Damit alle Zonen nutzbar sind, braucht die Fassung genügend Höhe, meist mindestens etwa 28 bis 30 Millimeter, je nach Glasdesign. Sehr flache Fassungen schränken vor allem den Lesebereich ein. Was bei der Eingewöhnung zu beachten ist, erklärt unser Beitrag Gleitsichtbrille: So klappt die Gewöhnung.
Hornhautverkrümmung
Bei stärkerem Astigmatismus sind stabile Fassungen günstig, die sich nicht leicht verbiegen, weil schon eine kleine Verdrehung die Achse der Korrektur verschiebt und die Sicht verschlechtert.
Brillen für besondere Anforderungen
Kinder brauchen robuste, flexible Fassungen mit gutem Sitz auf oft noch flachem Nasenrücken. Für Sport gibt es spezielle Sportbrillen mit bruchsicheren Gläsern. Wer viel am Bildschirm arbeitet, profitiert eventuell von einer Arbeitsplatzbrille mit größerem Zwischenbereich. Und wer im Freien unterwegs ist, sollte über eine Sonnenbrille mit Korrektur nachdenken. Einen Überblick über Formen, Größen und Materialien gibt unser ausführlicher Fassungsratgeber.
So gehen Sie bei der Anprobe am besten vor
Eine strukturierte Anprobe spart Zeit und schützt vor Fehlkäufen. Viele Menschen greifen im Geschäft spontan zu Modellen, die ihnen im Regal gefallen, und verlieren nach dem zehnten Versuch den Überblick. Besser ist ein schrittweises Vorgehen:
- Alte Brille mitnehmen: Sie zeigt, welche Maße bisher gut gepasst haben und was Sie stört, etwa ein drückender Steg oder zu schwere Gläser.
- Aktuelle Werte kennen: Bringen Sie Ihre Brillenwerte mit, damit die Beratung einschätzen kann, wie dick die Gläser in einer bestimmten Fassung werden.
- Vorauswahl nach Form und Größe: Wählen Sie zunächst drei bis fünf Fassungen, die zur Gesichtsform und zur Glasstärke passen, und vergleichen Sie erst dann Farben und Details.
- Bewegungstest: Schauen Sie nach unten, schütteln Sie leicht den Kopf und lächeln Sie. Eine gut sitzende Fassung bleibt dabei an ihrem Platz.
- Aus der Distanz betrachten: Treten Sie zwei bis drei Meter vom Spiegel zurück oder lassen Sie sich fotografieren. So wirkt die Brille, wie andere Sie sehen.
- Ehrliche zweite Meinung: Eine vertraute Begleitperson bemerkt oft, ob eine Fassung zu Ihrem Stil passt oder eher verkleidet.
Wenn Sie ohne Brille schlecht sehen, ist die Beurteilung im Spiegel schwierig. Fotos mit dem Smartphone, die Sie anschließend mit Ihrer eigenen Brille ansehen, schaffen hier Abhilfe.
Häufige Fehler beim Brillenkauf
- Nur nach Optik entscheiden und den Sitz vernachlässigen.
- Eine sehr große Modefassung bei hohen Minuswerten wählen.
- Eine flache Fassung für Gleitsichtgläser aussuchen.
- Die Brille ohne Anpassung tragen, obwohl sie rutscht oder drückt.
- Sich unter Zeitdruck entscheiden. Nehmen Sie sich Zeit, fotografieren Sie sich mit verschiedenen Modellen und vergleichen Sie in Ruhe.
Wann Sie zur Optikerin, zum Optiker oder in die Augenarztpraxis sollten
Wenn eine neue Brille nach einigen Tagen noch drückt, rutscht oder Kopfschmerzen verursacht, lassen Sie den Sitz kontrollieren. Oft genügt eine kleine Anpassung. Bleibt das Sehen unscharf, obwohl die Brille richtig sitzt, sollten die Werte und die Zentrierung überprüft werden. Denken Sie außerdem daran, Ihre Augen regelmäßig untersuchen zu lassen, denn eine neue Brille ersetzt keine Vorsorge.
Ärztlich abklären lassen sollten Sie: eine plötzliche Sehverschlechterung, die sich mit einer neuen Brille nicht beheben lässt, plötzlich auftretende Doppelbilder, Lichtblitze, einen Schatten im Gesichtsfeld, verzerrtes Sehen oder anhaltende Augenschmerzen. Diese Beschwerden haben nichts mit der Fassung zu tun und können auf eine Augenerkrankung hinweisen.
Häufig gestellte Fragen
Welche Brille passt zu einem runden Gesicht?
Eckige oder rechteckige Fassungen, die etwas breiter als hoch sind, strecken ein rundes Gesicht optisch und geben ihm mehr Kontur. Kleine runde Fassungen betonen die Rundung dagegen zusätzlich.
Wie finde ich heraus, welche Gesichtsform ich habe?
Zeichnen Sie mit zurückgebundenen Haaren die Umrisse Ihres Gesichts im Spiegel nach und vergleichen Sie Länge, Breite und die Form von Stirn, Wangen und Kinn. Unser Gesichtsform-Test hilft Ihnen zusätzlich bei der Einordnung.
Was bedeuten die Zahlen auf dem Brillenbügel?
Meist stehen dort drei Werte: Glasbreite, Stegbreite und Bügellänge in Millimetern, zum Beispiel 52 18 140. Passt Ihre bisherige Brille gut, sind diese Maße ein nützlicher Anhaltspunkt für die neue Fassung.
Welche Fassung ist bei starker Kurzsichtigkeit sinnvoll?
Kleinere, runde oder ovale Vollrandfassungen, bei denen die Pupille nahe der Glasmitte liegt. So bleiben die Glasränder dünner und die Brille leichter. Zusätzlich helfen hochbrechende Glasmaterialien.
Wie hoch muss eine Fassung für Gleitsichtgläser sein?
Je nach Glasdesign meist mindestens etwa 28 bis 30 Millimeter. Bei zu flachen Fassungen wird vor allem der Lesebereich zu klein. Lassen Sie sich von Ihrer Optikerin oder Ihrem Optiker beraten.
Kann ich eine online gekaufte Brille anpassen lassen?
Ja, viele Optikergeschäfte passen auch online gekaufte Brillen an, teils gegen eine kleine Gebühr. Die richtige Einstellung von Bügeln und Nasenpads ist wichtig für Komfort und gute Sicht.
Quellen
- American Academy of Ophthalmology – Choosing eyeglasses (patient information)
- College of Optometrists (UK) – Guidance on dispensing spectacles
- Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) – Verbraucherinformationen zur Brillenauswahl
- American Optometric Association – Eyeglasses for vision correction
- DIN EN ISO 8624 – Ophthalmic optics, spectacle frames, measuring system and terminology
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