Rotes Auge: harmlos oder ein Notfall? So schätzen Sie es ein
Ein rotes Auge ist meist harmlos, kann aber auch ein Notfall sein. Wir erklären die häufigsten Ursachen und die Warnzeichen, bei denen Sie sofort handeln sollten.
Ein Blick in den Spiegel am Morgen, und plötzlich ist das Weiße im Auge knallrot. Ein rotes Auge erschreckt, weil es so auffällig ist. Dabei steckt in den meisten Fällen etwas Harmloses dahinter: ein geplatztes Äderchen, eine gereizte Bindehaut oder schlicht zu wenig Tränenflüssigkeit. Manchmal ist ein rotes Auge aber das sichtbare Zeichen einer ernsten Erkrankung, die schnell behandelt werden muss, damit das Sehvermögen erhalten bleibt.
Der Schlüssel liegt in den Begleitsymptomen. Nicht die Röte allein entscheidet, sondern ob Schmerzen, starke Lichtempfindlichkeit oder eine Sehverschlechterung dazukommen. Dieser Artikel hilft Ihnen, die Situation besser einzuordnen. Er ersetzt keine Untersuchung, gibt Ihnen aber eine klare Orientierung, wann Abwarten in Ordnung ist und wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen.
Das Wichtigste in Kürze
- Rote Augen ohne Schmerzen, ohne Lichtscheu und mit normalem Sehen sind meist harmlos.
- Häufige harmlose Ursachen: Hyposphagma (geplatztes Äderchen), Bindehautentzündung, trockene Augen, Allergien und zu lange getragene Kontaktlinsen.
- Warnzeichen sind Augenschmerzen, deutliche Lichtempfindlichkeit, verschwommenes oder vermindertes Sehen, Übelkeit mit Kopfschmerz oder ein Fremdkörper- oder Verletzungsereignis.
- Kontaktlinsenträger mit rotem, schmerzhaftem Auge sollten Linsen sofort herausnehmen und noch am selben Tag zum Augenarzt.
- Iritis, akuter Glaukomanfall und Hornhautentzündung (Keratitis) gehören zu den ernsten Ursachen und brauchen schnelle Behandlung.
Warum wird das Auge überhaupt rot?
Das Weiße des Auges ist die Lederhaut (Sklera). Darüber liegt eine dünne, durchsichtige Schleimhaut, die Bindehaut (Konjunktiva), die von feinen Blutgefäßen durchzogen ist. Normalerweise sind diese Gefäße kaum sichtbar. Wird das Auge gereizt oder entzündet, weiten sie sich, und das Auge erscheint rot. Bei einer Einblutung tritt dagegen Blut unter die Bindehaut aus und bildet einen flächigen, scharf begrenzten roten Fleck.
Auch das Muster der Rötung gibt Hinweise. Eine diffuse Rötung, die zum Rand hin zunimmt, spricht eher für eine Bindehautreizung. Eine Rötung, die sich als Kranz direkt um die Hornhaut legt (ziliare Injektion), deutet eher auf Prozesse im Augeninneren oder an der Hornhaut hin und ist ein Grund zur Vorsicht.
Häufige und meist harmlose Ursachen
Hyposphagma: das geplatzte Äderchen
Ein Hyposphagma (subkonjunktivale Blutung) sieht dramatisch aus: ein leuchtend roter, flächiger Fleck auf dem Weißen des Auges. Dennoch ist es meist völlig harmlos. Es entsteht, wenn ein kleines Gefäß unter der Bindehaut platzt, zum Beispiel durch Husten, Niesen, Pressen, Erbrechen, Reiben oder manchmal ganz ohne erkennbaren Grund. Das Auge tut nicht weh, das Sehen ist normal.
Das Blut wird innerhalb von etwa ein bis zwei Wochen vom Körper abgebaut und kann dabei, wie ein blauer Fleck, gelblich-grün werden. Eine Behandlung ist nicht nötig. Treten solche Blutungen wiederholt auf, ist eine Kontrolle von Blutdruck und gegebenenfalls Gerinnung sinnvoll, insbesondere wenn Sie blutverdünnende Medikamente einnehmen. Nach einer Verletzung oder bei begleitenden Schmerzen sollte das Auge immer untersucht werden.
Bindehautentzündung (Konjunktivitis)
Die Bindehautentzündung ist eine der häufigsten Ursachen roter Augen. Sie kann durch Viren, Bakterien oder Allergien ausgelöst werden. Typisch sind Rötung, Fremdkörpergefühl, Brennen, Tränen und verklebte Lider am Morgen. Das Sehen bleibt in der Regel normal, gelegentlich ist es durch Sekret kurz verschwommen und klärt sich nach dem Blinzeln.
- Viral: oft wässriges Sekret, beginnt häufig an einem Auge und springt auf das zweite über, manchmal mit Erkältung. Sehr ansteckend.
- Bakteriell: eher eitrig-gelbliches Sekret, verklebte Lider.
- Allergisch: starker Juckreiz, beide Augen, oft saisonal mit Niesen und Fließschnupfen.
Gute Handhygiene ist wichtig, um andere nicht anzustecken: Hände waschen, eigene Handtücher benutzen, Augen nicht reiben.
Trockene Augen
Ein instabiler Tränenfilm führt zu einer chronischen, meist leichten Rötung, verbunden mit Brennen, Sandkorngefühl und paradoxerweise manchmal tränenden Augen. Bildschirmarbeit, Klimaanlagen, Heizungsluft und das Älterwerden spielen eine Rolle. Mehr dazu erfahren Sie im Ratgeber trockene Augen. Tränenersatzmittel, regelmäßiges Blinzeln und Pausen bringen oft deutliche Erleichterung.
Kontaktlinsen zu lange getragen
Wer Kontaktlinsen zu lange trägt, darin schläft oder die Pflege vernachlässigt, riskiert gerötete Augen. Die Hornhaut bekommt unter der Linse weniger Sauerstoff, und es können sich Ablagerungen bilden. Eine leichte Rötung, die nach dem Herausnehmen schnell abklingt, ist ein Warnsignal, die Tragegewohnheiten zu ändern. Bleibt das Auge aber rot oder schmerzt, kann eine Hornhautentzündung dahinterstecken. Die wichtigsten Regeln fasst unser Beitrag zur Kontaktlinsenhygiene zusammen.
Weitere häufige Auslöser
- Lidrandentzündung (Blepharitis) mit geröteten, schuppigen Lidrändern
- Rauch, Chlorwasser, Staub oder Wind
- Übermüdung und wenig Schlaf
- Alkohol, der die Gefäße erweitert
- Häufige Anwendung gefäßverengender Augentropfen, die nach dem Absetzen eine Gegenreaktion mit verstärkter Rötung hervorrufen können
Ernste Ursachen: Wann ein rotes Auge gefährlich ist
Die folgenden Erkrankungen sind deutlich seltener, können aber ohne rasche Behandlung das Sehvermögen bedrohen. Ihnen gemeinsam ist, dass die Rötung fast immer von Schmerzen, Lichtscheu oder Sehstörungen begleitet wird.
Iritis und vordere Uveitis
Bei einer Iritis entzündet sich die Regenbogenhaut, oft zusammen mit dem angrenzenden Strahlenkörper. Typisch sind ein tiefer, dumpfer Augenschmerz, starke Lichtempfindlichkeit, eine Rötung rund um die Hornhaut und leicht verschwommenes Sehen. Die Pupille kann kleiner sein als auf der anderen Seite. Eine Iritis tritt manchmal im Zusammenhang mit rheumatischen Erkrankungen auf, etwa Morbus Bechterew. Sie wird augenärztlich mit entzündungshemmenden und pupillenerweiternden Tropfen behandelt. Ausführliche Informationen finden Sie im Ratgeber Uveitis.
Akuter Winkelblockglaukom-Anfall
Beim akuten Glaukomanfall steigt der Augeninnendruck innerhalb kurzer Zeit stark an, weil der Abfluss des Kammerwassers blockiert ist. Das Auge wird rot, steinhart und sehr schmerzhaft. Hinzu kommen verschwommenes Sehen, farbige Ringe um Lichtquellen, Kopfschmerzen sowie oft Übelkeit und Erbrechen. Manchmal wird der Anfall deshalb fälschlich für eine Magen-Darm-Erkrankung oder Migräne gehalten. Ein Glaukomanfall ist ein echter Notfall: Ohne schnelle Drucksenkung kann der Sehnerv innerhalb von Stunden dauerhaft geschädigt werden. Hintergründe zur Erkrankung lesen Sie im Ratgeber Glaukom.
Keratitis und Hornhautgeschwür
Eine Entzündung der Hornhaut (Keratitis) kann durch Bakterien, Viren wie Herpes, Pilze oder Akanthamöben entstehen. Ein großes Risiko tragen Kontaktlinsenträger, besonders wenn sie mit Linsen schlafen, schwimmen oder duschen. Typisch sind starke Schmerzen, ein ausgeprägtes Fremdkörpergefühl, Lichtscheu, Tränen und Sehverschlechterung. Manchmal ist ein weißlicher Fleck auf der Hornhaut zu sehen. Ein Hornhautgeschwür kann Narben hinterlassen und muss rasch behandelt werden.
Verletzungen und Verätzungen
Ein Fremdkörper, ein Kratzer auf der Hornhaut oder eine Verätzung durch Chemikalien führen ebenfalls zu Rötung und Schmerzen. Bei Verätzungen gilt: sofort mit reichlich Wasser spülen, mindestens 15 Minuten lang, und dann umgehend in die Klinik. Weitere Erste-Hilfe-Hinweise finden Sie in unserem Ratgeber Augennotfälle.
Überblick: Symptome und mögliche Ursachen
| Ursache | Schmerz | Lichtscheu | Sehen | Dringlichkeit |
|---|---|---|---|---|
| Hyposphagma | Keiner | Nein | Normal | Meist keine Behandlung nötig |
| Bindehautentzündung | Brennen, Fremdkörpergefühl | Leicht oder nein | Normal | Arztbesuch bei Bedarf, wenn keine Besserung |
| Trockene Augen | Brennen, Sandkorngefühl | Leicht | Kurz schwankend | Routinetermin |
| Iritis | Dumpf, tief | Deutlich | Leicht verschwommen | Am selben Tag zum Augenarzt |
| Akuter Glaukomanfall | Stark, mit Kopfschmerz | Möglich | Deutlich vermindert, Halos | Sofort, Notfall |
| Keratitis | Stark | Deutlich | Vermindert | Am selben Tag, bei Linsenträgern sofort |
Was in der Augenarztpraxis passiert
Bei einem roten Auge wird zunächst gefragt, seit wann die Rötung besteht, ob ein oder beide Augen betroffen sind, ob Schmerzen, Juckreiz oder Sekret auftreten und ob Sie Kontaktlinsen tragen. Anschließend wird die Sehschärfe geprüft, denn ein Sehverlust ist ein wichtiger Hinweis auf eine ernstere Ursache. Mit der Spaltlampe, einem Mikroskop mit Lichtspalt, lassen sich Bindehaut, Hornhaut, Vorderkammer und Iris genau betrachten. Ein gelber Farbstoff (Fluoreszein) macht Verletzungen und Defekte der Hornhaut sichtbar. Bei Verdacht auf einen Glaukomanfall wird der Augeninnendruck gemessen, bei einer Iritis wird nach Entzündungszellen in der Vorderkammer gesucht. Bei schweren Hornhautinfektionen kann ein Abstrich nötig sein, um den Erreger gezielt zu behandeln. Welche Medikamente infrage kommen, etwa antibiotische, antivirale oder entzündungshemmende Tropfen, entscheidet die Ärztin oder der Arzt anhand des Befundes.
Rote Augen bei Kindern
Auch bei Kindern ist die Bindehautentzündung die häufigste Ursache roter Augen, oft im Rahmen einer Erkältung und in Kita oder Schule weitergegeben. Kinder reiben sich jedoch häufig die Augen und können Beschwerden schlechter beschreiben. Lassen Sie ein rotes Kinderauge zeitnah anschauen, wenn das Kind über Schmerzen klagt, lichtscheu ist, schlechter sieht, das Lid stark geschwollen und gerötet ist oder Fieber dazukommt. Bei Neugeborenen mit roten, eitrigen Augen ist immer eine rasche ärztliche Untersuchung erforderlich. Weitere Hinweise bietet unser Ratgeber zur Augengesundheit von Kindern.
Was Sie selbst tun können
Bei einem roten Auge ohne Warnzeichen können Sie zunächst selbst einiges tun:
- Nicht reiben: Reiben verstärkt die Reizung und kann Keime verteilen.
- Kontaktlinsen herausnehmen: Tragen Sie die Linsen erst wieder, wenn das Auge vollständig beschwerdefrei ist.
- Kühlen: Ein sauberer, kühler Waschlappen auf den geschlossenen Lidern lindert Juckreiz und Schwellung.
- Befeuchten: Konservierungsmittelfreie Tränenersatzmittel spülen Reizstoffe aus und beruhigen die Oberfläche. Unser Beitrag Künstliche Tränen richtig auswählen hilft bei der Wahl.
- Hygiene beachten: Hände waschen, eigene Handtücher, Kissenbezüge öfter wechseln.
- Auf Rötungsblocker verzichten: Gefäßverengende Tropfen sind höchstens kurzfristig sinnvoll und überdecken nur das Symptom.
Fotografieren Sie Ihr Auge mit dem Smartphone, wenn die Rötung auftritt und einige Tage später. So können Sie und Ihre Ärztin oder Ihr Arzt den Verlauf besser beurteilen.
Wann Sie sofort handeln sollten
Suchen Sie noch am selben Tag eine Augenärztin, einen Augenarzt oder eine Notaufnahme auf, wenn zum roten Auge eines der folgenden Zeichen hinzukommt:
- mäßige bis starke Augenschmerzen
- ausgeprägte Lichtempfindlichkeit
- verschwommenes oder plötzlich schlechteres Sehen, das sich durch Blinzeln nicht bessert
- farbige Ringe um Lichter, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen
- Rötung bei Kontaktlinsenträgern, die nach dem Herausnehmen nicht schnell abklingt oder schmerzt
- eine sichtbare weiße Stelle auf der Hornhaut
- Verletzung, Fremdkörper oder Kontakt mit Chemikalien
- ungleich große Pupillen oder eine Pupille, die nicht auf Licht reagiert
- Rötung bei Neugeborenen oder bei stark geschwächtem Immunsystem
Bei Verätzungen sofort ausgiebig mit Wasser spülen und den Notruf 112 wählen oder direkt in eine Augenklinik fahren.
Auch ohne akute Warnzeichen sollten Sie ein rotes Auge untersuchen lassen, wenn es sich nach einigen Tagen nicht bessert, immer wiederkehrt oder Sie unsicher sind.
Fazit
Die meisten roten Augen sind lästig, aber ungefährlich und heilen mit etwas Geduld und einfachen Maßnahmen von selbst. Entscheidend ist der Blick auf die Begleitsymptome: Schmerzen, Lichtscheu und Sehverschlechterung sind die drei wichtigsten Warnzeichen. Wer sie kennt, kann gelassen bleiben, wenn nur ein Äderchen geplatzt ist, und schnell handeln, wenn es wirklich darauf ankommt.
Häufig gestellte Fragen
Ist ein geplatztes Äderchen im Auge gefährlich?
Meist nicht. Ein Hyposphagma sieht dramatisch aus, verursacht aber keine Schmerzen und beeinträchtigt das Sehen nicht. Es bildet sich innerhalb von ein bis zwei Wochen zurück. Bei wiederholten Blutungen, nach Verletzungen oder unter Blutverdünnern sollten Sie es ärztlich abklären lassen.
Wie erkenne ich, ob ein rotes Auge ein Notfall ist?
Achten Sie auf Schmerzen, starke Lichtempfindlichkeit und Sehverschlechterung. Kommen diese Zeichen hinzu, sollten Sie noch am selben Tag zum Augenarzt oder in die Notaufnahme. Ein rotes Auge ohne diese Symptome ist meist harmlos.
Ist eine Bindehautentzündung ansteckend?
Virale und bakterielle Bindehautentzündungen sind ansteckend, allergische nicht. Waschen Sie häufig die Hände, benutzen Sie eigene Handtücher und vermeiden Sie es, die Augen zu reiben.
Darf ich Augentropfen gegen rote Augen verwenden?
Konservierungsmittelfreie Tränenersatzmittel sind meist unbedenklich. Gefäßverengende Tropfen gegen Rötung sollten nur kurzzeitig verwendet werden, da sie bei häufigem Gebrauch eine Gegenreaktion auslösen und die eigentliche Ursache verdecken können.
Was tun bei rotem Auge mit Kontaktlinsen?
Nehmen Sie die Linsen sofort heraus und tragen Sie sie nicht wieder, bis das Auge beschwerdefrei ist. Bleibt die Rötung bestehen oder schmerzt das Auge, gehen Sie noch am selben Tag zum Augenarzt, da eine Hornhautentzündung vorliegen kann.
Kann hoher Blutdruck rote Augen verursachen?
Bluthochdruck kann das Risiko für geplatzte Äderchen unter der Bindehaut erhöhen. Wer wiederholt solche Einblutungen bemerkt, sollte den Blutdruck kontrollieren lassen.
Warum ist mein Auge morgens rot?
Häufige Gründe sind Schlafmangel, trockene Augen, Lidrandentzündung, Allergien oder Kontaktlinsen, die über Nacht getragen wurden. Auch ein Hyposphagma fällt oft morgens auf. Bessert sich die Rötung nicht oder kommen Schmerzen dazu, lassen Sie das Auge untersuchen.
Quellen
- American Academy of Ophthalmology – Red Eye / Subconjunctival Hemorrhage (patient information)
- American Academy of Ophthalmology – Conjunctivitis: What Is Pink Eye?
- NHS – Red eye
- NHS – Acute angle-closure glaucoma
- National Eye Institute – Uveitis
- Royal College of Ophthalmologists – Patient information on eye emergencies
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