Augengymnastik

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Nachtfahrten: Blendung, Lichthöfe und schlechtes Sehen bei Dunkelheit

Blendung, Lichthöfe und unscharfe Konturen bei Dunkelheit sind häufig, besonders ab 50. Was dahintersteckt, welche Mythen es gibt und wie Sie nachts sicherer Auto fahren.

7 Min. Lesezeit Redaktion

Viele Autofahrerinnen und Autofahrer merken es zuerst im Herbst, wenn es früher dunkel wird: Entgegenkommende Scheinwerfer blenden stärker als früher, um Straßenlaternen bilden sich Lichthöfe, Fahrbahnmarkierungen verschwimmen auf nasser Straße, und nach einer längeren Fahrt sind die Augen müde. Manche verzichten deshalb ganz auf Fahrten bei Dunkelheit und schränken damit ihre Mobilität ein.

Die Ursachen für schlechteres Sehen bei Nacht sind vielfältig. Einige gehören zum normalen Älterwerden, andere sind behandelbare Augenerkrankungen wie der Graue Star, und wieder andere liegen schlicht an einer verschmutzten Windschutzscheibe oder einer veralteten Brille. In diesem Artikel erfahren Sie, warum das Nachtsehen mit dem Alter nachlässt, welche Rolle Katarakt und andere Erkrankungen spielen, was von sogenannten Nachtfahrbrillen zu halten ist und welche Anforderungen an das Sehvermögen beim Autofahren gelten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit dem Alter werden die Pupillen kleiner, die Linse trüber und die Netzhaut weniger lichtempfindlich. Deshalb sehen ältere Menschen nachts schlechter und erholen sich langsamer von Blendung.
  • Ein beginnender Grauer Star ist eine der häufigsten Ursachen für zunehmende Blendung und Lichthöfe.
  • Gelb getönte Nachtfahrbrillen verbessern das Sehen nicht, sondern verringern die Lichtmenge. Fachgesellschaften raten davon ab.
  • Eine saubere Windschutzscheibe, eine aktuelle Brille mit Entspiegelung und richtig eingestellte Scheinwerfer machen einen großen Unterschied.
  • Lassen Sie Ihre Sehschärfe regelmäßig überprüfen. Sie sind selbst dafür verantwortlich, dass Ihr Sehen den gesetzlichen Anforderungen entspricht.

Wie das Auge im Dunkeln sieht

Unsere Netzhaut besitzt zwei Arten von Sinneszellen. Die Zapfen sind für das scharfe Sehen und das Farbsehen bei Tageslicht zuständig und sitzen vor allem in der Netzhautmitte. Die Stäbchen sind viel lichtempfindlicher, ermöglichen das Sehen in der Dämmerung und bei Nacht, liefern aber kein scharfes und kein farbiges Bild. Wie diese Systeme zusammenarbeiten, erklärt unser Ratgeber So funktioniert das Sehen.

Nachts arbeitet das Auge in einem Übergangsbereich, dem Dämmerungssehen (mesopisches Sehen). Sehschärfe, Kontrastempfindlichkeit und Farbwahrnehmung sind dann deutlich geringer als am Tag. Hinzu kommt die Dunkeladaptation: Nach dem Wechsel von hell nach dunkel braucht das Auge mehrere Minuten, um sich anzupassen, für die volle Empfindlichkeit sogar deutlich länger. Ein entgegenkommendes Fernlicht kann diese Anpassung schlagartig zunichtemachen.

Nachtmyopie

Viele Menschen werden bei Dunkelheit leicht kurzsichtig. Bei weiter Pupille wirken Abbildungsfehler der Randbereiche von Hornhaut und Linse stärker, und die Fokussierung verschiebt sich etwas in die Nähe. Bei manchen ist dieser Effekt so ausgeprägt, dass eine leicht angepasste Brille für Nachtfahrten sinnvoll sein kann. Das sollte aber augenärztlich oder durch eine Augenoptikerin geprüft werden.

Warum das Nachtsehen mit dem Alter nachlässt

Schon ab dem mittleren Lebensalter verändern sich mehrere Strukturen im Auge, die das Sehen im Dunkeln beeinträchtigen:

  • Kleinere Pupillen (senile Miosis): Die Pupille öffnet sich im Alter weniger weit. Bei einem 60-Jährigen erreicht deutlich weniger Licht die Netzhaut als bei einem 20-Jährigen.
  • Gelblichere und trübere Linse: Die Augenlinse wird mit den Jahren dichter und streut mehr Licht. Das verringert den Kontrast und verstärkt Blendung.
  • Langsamere Erholung nach Blendung: Die Zeit, die das Auge braucht, um nach einer Blendung wieder normal zu sehen, verlängert sich mit dem Alter deutlich.
  • Weniger empfindliche Netzhaut: Die Zahl der Stäbchen nimmt ab, und die Dunkeladaptation verläuft langsamer.
  • Trockenere Augen: Ein unregelmäßiger Tränenfilm streut ebenfalls Licht und verursacht Schlieren.

Diese Veränderungen sind normal, summieren sich aber. Hinzu kommt, dass ältere Menschen häufiger Medikamente einnehmen, die die Pupillenweite oder die Aufmerksamkeit beeinflussen, etwa bestimmte Beruhigungs- oder Schlafmittel. Wer neue Medikamente bekommt und danach nachts schlechter sieht oder sich unsicher fühlt, sollte das ärztlich besprechen. Einen Überblick gibt unser Ratgeber Medikamente und Augen. Mehr über typische Veränderungen ab der Lebensmitte lesen Sie in Ihre Augen nach 40.

Grauer Star: der häufigste Blendungsverstärker

Wenn Blendung und Lichthöfe innerhalb weniger Jahre deutlich zunehmen, steckt häufig ein beginnender Grauer Star (Katarakt) dahinter. Die Trübung der Linse streut einfallendes Licht wie eine verschmutzte Scheibe. Entgegenkommende Scheinwerfer erscheinen dann als große, strahlende Flecken, Konturen verschwimmen, und Kontraste gehen verloren. Besonders eine bestimmte Form, die hintere Schalentrübung (subkapsuläre Katarakt), verursacht oft schon früh starke Blendungsprobleme, obwohl die Sehschärfe bei Tageslicht noch gut ist.

Die gute Nachricht: Der Graue Star lässt sich durch eine Operation behandeln, bei der die getrübte Linse durch eine Kunstlinse ersetzt wird. Viele Menschen berichten danach von einer deutlichen Verbesserung des Nachtsehens. Wann der richtige Zeitpunkt für die Operation ist, hängt davon ab, wie stark die Beschwerden den Alltag beeinträchtigen. Häufig sind Probleme beim nächtlichen Autofahren ein wichtiger Grund. Was Sie bei der Operation erwartet, lesen Sie in Kataraktoperation: Was Sie erwartet.

Weitere Ursachen für schlechtes Nachtsehen

UrsacheTypische BeschwerdenWas hilft
Unkorrigierte oder veraltete Brillenwerteunscharfe Schilder und Markierungen, LichthöfeSehtest, aktuelle Brille
Hornhautverkrümmungsternförmige oder in die Länge gezogene Lichtergenaue Korrektur des Astigmatismus
Grauer Starzunehmende Blendung, Lichthöfe, Kontrastverlustaugenärztliche Untersuchung, ggf. Operation
Trockenes Augeschwankende Schärfe, Schlieren, BrennenBlinzeln, Tränenersatzmittel, Lüftung nicht auf Augen richten
Nach Augenlaser-OperationHalos und Blendung, vor allem in den ersten MonatenKontrolle in der behandelnden Klinik
Glaukom, NetzhauterkrankungenGesichtsfeldausfälle, schlechte Dunkelanpassungaugenärztliche Diagnostik und Behandlung
Retinitis pigmentosa, Vitamin-A-Mangelausgeprägte Nachtblindheitfachärztliche Abklärung

Eine ausgeprägte Nachtblindheit, bei der man sich im Dunkeln kaum orientieren kann, ist kein normales Alterszeichen und sollte immer untersucht werden. Mehr dazu im Ratgeber Nachtblindheit.

Der Mythos der Nachtfahrbrille

Gelb oder bernsteinfarben getönte Brillen werden immer wieder als Nachtfahrbrillen beworben. Sie sollen Blendung reduzieren und Kontraste verbessern. Das klingt plausibel, hält wissenschaftlicher Prüfung aber nicht stand. Jede Tönung, auch eine gelbe, verringert die Menge des Lichts, das ins Auge gelangt. Bei Nacht ist Licht aber gerade das, was fehlt.

Untersuchungen im Fahrsimulator haben gezeigt, dass solche Brillen die Erkennung von Fußgängern bei Nacht nicht verbessern, teilweise sogar verschlechtern, und auch die Blendung nicht messbar verringern. Das subjektive Gefühl, mit gelber Brille besser zu sehen, entsteht vermutlich dadurch, dass die Umgebung kontrastreicher wirkt. Fachgesellschaften wie die American Academy of Ophthalmology raten von getönten Gläsern beim Fahren in der Dunkelheit ab. Nach der europäischen Sonnenbrillennorm sind Gläser ab Filterkategorie 2 für Fahrten in der Dämmerung und bei Nacht ausdrücklich ungeeignet.

Was tatsächlich hilft, ist eine gute Entspiegelung (Antireflexbeschichtung) auf den Brillengläsern. Sie verringert störende Reflexe auf der Glasoberfläche und lässt mehr Licht durch. Manche Glashersteller bieten spezielle Beschichtungen an, die für Nachtfahrten optimiert sind. Diese sind klar und nicht gelb getönt. Mehr dazu im Ratgeber Glasbeschichtungen.

Praktische Tipps für sicherere Nachtfahrten

Windschutzscheibe und Auto

  1. Scheiben innen und außen reinigen: Auf der Innenseite bildet sich ein Schmierfilm aus Ausdünstungen der Kunststoffe, Staub und Rauch. Bei Gegenlicht streut er das Licht und verstärkt die Blendung erheblich. Reinigen Sie die Innenseite regelmäßig mit einem sauberen Mikrofasertuch und Glasreiniger.
  2. Wischerblätter erneuern: Verschlissene Wischer hinterlassen Schlieren, die nachts wie ein Schleier wirken.
  3. Scheinwerfer prüfen: Saubere, richtig eingestellte Scheinwerfer verbessern Ihre eigene Sicht und blenden andere nicht. Lassen Sie die Einstellung in der Werkstatt prüfen.
  4. Armaturenbeleuchtung dimmen: Helles Licht im Innenraum stört die Dunkeladaptation.
  5. Keine Gegenstände auf dem Armaturenbrett: Sie spiegeln sich in der Scheibe.

Fahrverhalten

  • Bei entgegenkommendem Verkehr den Blick leicht nach rechts auf den Fahrbahnrand richten, statt direkt in die Scheinwerfer zu schauen.
  • Geschwindigkeit an die Sichtweite anpassen und größeren Abstand halten.
  • Bei längeren Fahrten regelmäßig Pausen machen. Müdigkeit verschlechtert das Sehen und die Reaktionszeit.
  • Lüftung nicht direkt auf die Augen richten, um Austrocknung zu vermeiden.
  • Wenn Sie sich unsicher fühlen, Nachtfahrten auf bekannte Strecken beschränken oder Alternativen nutzen.

Brille und Kontaktlinsen

Auch die eigene Sehhilfe beeinflusst das Nachtsehen stärker, als viele denken. Verkratzte oder verschmierte Brillengläser streuen Licht ähnlich wie eine schmutzige Windschutzscheibe. Reinigen Sie Ihre Brille vor jeder Nachtfahrt, und lassen Sie stark verkratzte Gläser ersetzen. Wer eine Gleitsichtbrille trägt, sollte darauf achten, dass der Fernbereich ausreichend groß ist und die Brille richtig sitzt. Kontaktlinsenträger bemerken nachts manchmal stärkere Halos, besonders wenn die Augen am Abend trocken sind oder die Linsen verschmutzt sind. Benetzende Tropfen, die für Kontaktlinsen geeignet sind, oder ein Wechsel auf die Brille für die Heimfahrt können helfen.

Vor der Fahrt

  • Planen Sie die Strecke bei Tageslicht oder nutzen Sie bekannte Routen.
  • Vermeiden Sie es, direkt vor der Fahrt lange in helle Bildschirme zu schauen, wenn Sie danach sofort in die Dunkelheit fahren. Geben Sie den Augen einige Minuten zur Anpassung.
  • Fahren Sie nicht übermüdet. Ausreichender Schlaf ist eine der wirksamsten Maßnahmen für sicheres Fahren bei Nacht.

Sehvermögen und Fahrerlaubnis: Was gilt?

In Deutschland wird das Sehvermögen beim Erwerb des Führerscheins der Klassen A und B mit einem Sehtest geprüft. Danach gibt es für Privatfahrer keine gesetzlich vorgeschriebene regelmäßige Wiederholung. Das bedeutet aber nicht, dass die Anforderungen nicht mehr gelten: Jeder Fahrer ist selbst dafür verantwortlich, nur zu fahren, wenn sein Sehvermögen ausreicht. Die Mindestanforderungen sind in der Fahrerlaubnis-Verordnung festgelegt und umfassen unter anderem die Tagessehschärfe und das Gesichtsfeld. Für Berufskraftfahrer gelten strengere Anforderungen und regelmäßige Untersuchungen.

Wenn Sie eine Brille oder Kontaktlinsen zum Fahren brauchen, wird das im Führerschein vermerkt, und Sie müssen die Sehhilfe beim Fahren tragen. Auch in anderen Ländern gelten ähnliche Pflichten. Wichtig: Die Tagessehschärfe sagt wenig über das Sehen bei Nacht und Blendung aus. Wer nachts Probleme bemerkt, sollte auch Dämmerungssehen und Blendempfindlichkeit untersuchen lassen. Eine erste Orientierung bietet unser Sehtest online, der eine fachliche Untersuchung aber nicht ersetzt.

Viele Fachleute empfehlen Autofahrern, die Augen mindestens alle zwei Jahre überprüfen zu lassen, ab dem 60. Lebensjahr eher jährlich. Sprechen Sie bei der Untersuchung Probleme mit Blendung oder Nachtsehen aktiv an, denn sie fallen bei einem normalen Sehtest im hellen Raum nicht immer auf.

Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten

Lassen Sie Ihre Augen untersuchen, wenn Blendung und Lichthöfe zunehmen, wenn Sie nachts deutlich unsicherer fahren als früher oder wenn Sie Schilder später erkennen als Ihre Beifahrer. Viele Ursachen lassen sich gut behandeln.

Sofort ärztlich abklären lassen bei: plötzlichem Sehverlust oder einem Schatten im Gesichtsfeld, plötzlich auftretenden Lichthöfen um Lichter zusammen mit Augenschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit und einem roten Auge (möglicher akuter Glaukomanfall), plötzlichen Doppelbildern, Lichtblitzen und vielen neuen schwarzen Punkten sowie neuen, deutlichen Halos nach einer Augenoperation. Fahren Sie in diesen Situationen nicht selbst.

Häufig gestellte Fragen

Warum sehe ich nachts schlechter als früher?

Mit dem Alter werden die Pupillen kleiner, die Linse trüber und die Netzhaut weniger lichtempfindlich. Dadurch erreicht weniger Licht die Netzhaut, und Blendung stört stärker. Auch ein beginnender Grauer Star oder eine veraltete Brille können die Ursache sein.

Helfen gelbe Nachtfahrbrillen gegen Blendung?

Nein. Studien zeigen, dass getönte Nachtfahrbrillen die Sicht bei Nacht nicht verbessern und die Erkennung von Fußgängern sogar verschlechtern können. Fachgesellschaften raten davon ab. Eine klare Brille mit guter Entspiegelung ist die bessere Wahl.

Kann Grauer Star Blendung beim Autofahren verursachen?

Ja, das ist eine der häufigsten Ursachen. Die getrübte Linse streut das Licht, sodass Scheinwerfer große Lichthöfe bilden und Kontraste verloren gehen. Eine Kataraktoperation verbessert das Nachtsehen häufig deutlich.

Muss ich als Autofahrer regelmäßig zum Sehtest?

Für private Autofahrer gibt es in Deutschland keine gesetzliche Pflicht zur Wiederholung. Sie sind aber selbst verantwortlich, dass Ihr Sehvermögen ausreicht. Fachleute empfehlen eine Kontrolle mindestens alle zwei Jahre, ab 60 eher jährlich.

Was hilft gegen Blendung durch entgegenkommende Autos?

Schauen Sie leicht nach rechts auf den Fahrbahnrand statt in die Scheinwerfer, halten Sie die Windschutzscheibe innen und außen sauber und tragen Sie eine aktuelle Brille mit Entspiegelung. Bei zunehmender Blendung lassen Sie Ihre Augen untersuchen.

Was ist Nachtmyopie?

Manche Menschen werden bei Dunkelheit leicht kurzsichtig, weil die weite Pupille Abbildungsfehler verstärkt. Bei ausgeprägten Beschwerden kann eine angepasste Brille für Nachtfahrten sinnvoll sein. Das sollte fachlich gemessen werden.

Quellen
  • American Academy of Ophthalmology – Night driving and night vision glasses (patient information)
  • Hwang AD, Tuccar-Burak M, Peli E – Comparison of pedestrian detection with and without yellow-lens glasses during simulated night driving with and without headlight glare, JAMA Ophthalmology (2019)
  • Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV), Anlage 6 – Anforderungen an das Sehvermögen
  • Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) und Berufsverband der Augenärzte (BVA) – Empfehlung zur Fahreignungsbegutachtung für den Straßenverkehr
  • National Eye Institute – Cataracts
  • NHS – Cataracts: symptoms

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