Augengymnastik

Augengesundheit

Sehveränderungen in der Schwangerschaft: Was normal ist und was nicht

Trockene Augen und leicht verschwommenes Sehen sind in der Schwangerschaft häufig und meist harmlos. Bestimmte Sehstörungen können aber auf eine Präeklampsie hinweisen.

7 Min. Lesezeit Redaktion

Eine Schwangerschaft verändert den gesamten Körper, und die Augen sind keine Ausnahme. Hormone, ein größeres Blutvolumen und Wassereinlagerungen wirken sich auf Hornhaut, Tränenfilm und Gefäße aus. Viele Schwangere bemerken, dass ihre Augen trockener sind, die Kontaktlinsen plötzlich drücken oder die Brille nicht mehr ganz passt. Meist sind diese Veränderungen vorübergehend und verschwinden einige Wochen bis Monate nach der Geburt.

Einige Sehstörungen sind jedoch Warnzeichen, die sofort ernst genommen werden müssen, allen voran bei einer Präeklampsie. Auch Frauen mit bestehendem Diabetes brauchen in der Schwangerschaft besondere Aufmerksamkeit für ihre Netzhaut. Dieser Beitrag hilft Ihnen, harmlose von bedenklichen Veränderungen zu unterscheiden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Trockene Augen und leichte Schwankungen der Sehschärfe sind in der Schwangerschaft häufig und meist harmlos.
  • Hormonell bedingte Veränderungen der Hornhaut können Kontaktlinsen unbequem machen; eine neue Brillenstärke sollte möglichst erst nach der Stillzeit angepasst werden.
  • Flimmern, Lichtblitze, verschwommenes Sehen oder Gesichtsfeldausfälle zusammen mit Kopfschmerzen oder Schwellungen können auf eine Präeklampsie hinweisen – das ist ein Notfall.
  • Eine diabetische Retinopathie kann sich in der Schwangerschaft verschlechtern. Frauen mit Diabetes brauchen regelmäßige Netzhautkontrollen.

Warum sich die Augen in der Schwangerschaft verändern

In der Schwangerschaft steigen die Spiegel von Östrogen, Progesteron und anderen Hormonen stark an. Das Blutvolumen nimmt um rund die Hälfte zu, und der Körper lagert mehr Flüssigkeit ein. Diese Veränderungen betreffen auch das Auge:

  • Die Hornhaut kann etwas Flüssigkeit aufnehmen, dicker und stärker gekrümmt werden.
  • Die Zusammensetzung des Tränenfilms verändert sich.
  • Der Augeninnendruck sinkt im Verlauf der Schwangerschaft häufig leicht.
  • Blutgefäße reagieren empfindlicher auf Blutdruckschwankungen.

Die meisten dieser Effekte bilden sich nach Geburt und Stillzeit vollständig zurück. Wenn Sie mehr darüber wissen möchten, wie das Auge aufgebaut ist und funktioniert, hilft Ihnen unser Ratgeber So funktioniert das Sehen.

Trockene Augen: Die häufigste Beschwerde

Viele Schwangere klagen über brennende, kratzende oder müde Augen. Ursache ist vor allem die hormonelle Umstellung, die die Produktion und Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit beeinflusst. Hinzu kommen oft wenig Schlaf, trockene Heizungsluft und lange Bildschirmzeiten.

Was hilft

  • Künstliche Tränen: Benetzende Augentropfen ohne Konservierungsmittel gelten in der Schwangerschaft allgemein als unbedenklich. Sprechen Sie im Zweifel mit Ihrer Apotheke oder Ärztin. Tipps zur Auswahl finden Sie in unserem Beitrag zur Wahl künstlicher Tränen.
  • Bewusst blinzeln und Pausen machen: Besonders bei Bildschirmarbeit vergessen wir das Blinzeln. Die 20-20-20-Regel hilft: Alle 20 Minuten für 20 Sekunden in etwa sechs Meter Entfernung schauen.
  • Ausreichend trinken: Eine gute Flüssigkeitszufuhr unterstützt den gesamten Körper.
  • Raumluft befeuchten: Regelmäßiges Lüften und eine Schale Wasser auf der Heizung können helfen.
  • Warme Kompressen: Sie können die Talgdrüsen der Lider unterstützen und tun gestressten Augen gut.

Nicht alle Augentropfen sind für Schwangere geeignet. Gefäßverengende Tropfen gegen rote Augen sowie Medikamente gegen Glaukom oder Allergien sollten nur nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin verwendet werden. Mehr zum Thema finden Sie im Ratgeber Augen in der Schwangerschaft.

Hornhautveränderungen und verschwommenes Sehen

Durch die Wassereinlagerung kann sich die Krümmung und Dicke der Hornhaut leicht verändern. Manche Schwangere bemerken, dass sie etwas unschärfer sehen oder ihre Kurzsichtigkeit zugenommen zu haben scheint. Diese Veränderungen sind meist gering und vorübergehend.

Deshalb empfehlen Augenärzte, mit einer neuen Brillenverordnung möglichst zu warten, bis sich die Augen nach Geburt und Stillzeit stabilisiert haben. Bei deutlichen Einschränkungen, etwa beim Autofahren, kann eine Übergangsbrille sinnvoll sein. Aus demselben Grund wird von Augenlaseroperationen wie LASIK in der Schwangerschaft und Stillzeit abgeraten: Die gemessenen Werte sind nicht stabil, und die Heilung kann anders verlaufen.

Kontaktlinsen: Plötzlich unbequem

Viele Frauen, die ihre Kontaktlinsen jahrelang problemlos getragen haben, vertragen sie in der Schwangerschaft schlechter. Die veränderte Hornhautform lässt die Linse anders sitzen, und ein dünnerer Tränenfilm führt zu Trockenheit und Reizung.

  • Verkürzen Sie die Tragezeit und wechseln Sie öfter auf die Brille.
  • Verwenden Sie benetzende Tropfen, die für Kontaktlinsen geeignet sind.
  • Achten Sie besonders sorgfältig auf Hygiene, denn gereizte Augen sind anfälliger für Infektionen. Unser Beitrag zur Kontaktlinsenhygiene zeigt die häufigsten Fehler.
  • Lassen Sie den Sitz der Linsen bei anhaltenden Beschwerden vom Augenarzt oder Kontaktlinsenspezialisten überprüfen.
  • Schlafen Sie nicht mit Kontaktlinsen, auch wenn es nur ein kurzes Nickerchen ist.

Präeklampsie: Wenn Sehstörungen ein Alarmsignal sind

Die Präeklampsie (früher auch Schwangerschaftsvergiftung genannt) ist eine ernste Erkrankung, die meist in der zweiten Schwangerschaftshälfte auftritt, gelegentlich auch erst nach der Geburt. Typisch sind ein neu auftretender Bluthochdruck und Anzeichen einer Organbeteiligung, etwa Eiweiß im Urin. Unbehandelt kann sie für Mutter und Kind lebensgefährlich werden, unter anderem durch Krampfanfälle (Eklampsie).

Die Augen sind dabei oft ein frühes Warnsystem. Sehstörungen gehören zu den typischen Symptomen einer schweren Präeklampsie. Ursachen sind Gefäßverengungen in der Netzhaut, Flüssigkeit unter der Netzhaut oder Veränderungen in der Sehrinde des Gehirns.

Symptom an den AugenMöglicher HintergrundHandlung
Flimmern, Lichtblitze, FunkensehenGefäßreaktion in Netzhaut oder GehirnSofort Arzt, Kreißsaal oder Notruf
Plötzlich verschwommenes SehenNetzhautschwellung, BluthochdruckSofort ärztlich abklären
Ausfälle im Gesichtsfeld, dunkle FleckenNetzhautablösung durch Flüssigkeit, DurchblutungsstörungNotfall
DoppelbilderNeurologische BeteiligungNotfall
Vorübergehende ErblindungStörung der Sehrinde (z. B. PRES)Notfall, Notruf 112

Rufen Sie sofort Ihre Frauenärztin, den Kreißsaal oder den Notruf 112 an, wenn Sie in der Schwangerschaft oder in den Wochen nach der Geburt Sehstörungen wie Flimmern, Lichtblitze, Verschwommensehen oder Gesichtsfeldausfälle bemerken, besonders zusammen mit starken Kopfschmerzen, Schmerzen im Oberbauch rechts, plötzlichen Schwellungen an Gesicht oder Händen, Übelkeit oder allgemeinem Unwohlsein. Warten Sie nicht bis zum nächsten Vorsorgetermin.

Regelmäßige Blutdruck- und Urinkontrollen bei der Schwangerenvorsorge dienen genau dazu, eine Präeklampsie früh zu erkennen. Wer zu Hause den Blutdruck misst, sollte erhöhte Werte immer melden. Mehr zur Wirkung von Bluthochdruck auf die Netzhaut lesen Sie in unserem Beitrag Bluthochdruck und Ihre Augen.

Diabetes in der Schwangerschaft: Netzhaut im Blick behalten

Bei Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft einen Typ-1- oder Typ-2-Diabetes haben, kann sich eine diabetische Retinopathie während der Schwangerschaft verschlechtern. Gründe sind hormonelle Veränderungen, die stärkere Durchblutung und oft eine rasche Verbesserung der Blutzuckereinstellung zu Beginn der Schwangerschaft, die die Netzhaut vorübergehend belasten kann. Besonders gefährdet sind Frauen mit bereits bestehender Retinopathie, langer Diabetesdauer oder Bluthochdruck.

Fachgesellschaften empfehlen deshalb:

  1. Eine augenärztliche Untersuchung der Netzhaut möglichst vor der geplanten Schwangerschaft.
  2. Eine Kontrolle im ersten Schwangerschaftsdrittel.
  3. Weitere Kontrollen im Verlauf, je nach Befund in jedem Trimester oder häufiger.
  4. Eine Nachkontrolle in den Monaten nach der Geburt.

Ein Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes), der erst in der Schwangerschaft auftritt, führt in der Regel nicht zu einer Retinopathie. Er ist aber ein Hinweis auf ein erhöhtes späteres Diabetesrisiko, weshalb die Augen in den folgenden Jahren im Blick behalten werden sollten. Weitere Informationen finden Sie im Ratgeber zur diabetischen Retinopathie.

Weitere Veränderungen, die auftreten können

Lichtempfindlichkeit und Migräne

Manche Frauen haben in der Schwangerschaft häufiger Migräne, andere seltener. Eine Migräneaura mit Zickzacklinien kann auftreten. Neu auftretende Sehstörungen mit Kopfschmerzen sollten in der Schwangerschaft aber immer ärztlich abgeklärt werden, um eine Präeklampsie auszuschließen.

Lidschwellungen und hängendes Lid

Wassereinlagerungen können die Lider anschwellen lassen. Gelegentlich tritt ein leicht hängendes Lid auf, das sich nach der Geburt meist zurückbildet.

Pigmentveränderungen

Die als Schwangerschaftsmaske (Melasma) bekannten Pigmentflecken können auch die Haut um die Augen betreffen. Konsequenter Sonnenschutz hilft.

Bestehende Augenerkrankungen

Bei Glaukom, Keratokonus, starker Kurzsichtigkeit oder einer früheren Netzhautablösung sollten Sie Ihre Augenärztin über die Schwangerschaft informieren. Manche Glaukommedikamente müssen angepasst werden. Eine normale Geburt ist bei starker Kurzsichtigkeit in der Regel möglich; ob Besonderheiten zu beachten sind, entscheiden Augenärztin und Geburtshelfer gemeinsam.

Nach der Geburt und in der Stillzeit

Viele Veränderungen verschwinden nicht schlagartig mit der Geburt. Hormone stellen sich über Wochen um, und in der Stillzeit bleibt der Tränenfilm bei manchen Frauen noch länger instabil. Hinzu kommt der Schlafmangel der ersten Monate, der trockene, gerötete Augen und Lidzucken begünstigt. Gönnen Sie sich, wann immer möglich, kurze Ruhephasen und nutzen Sie weiter benetzende Tropfen. Wichtig zu wissen: Eine Präeklampsie kann auch erst in den Tagen und Wochen nach der Entbindung auftreten. Die Warnzeichen an den Augen gelten deshalb auch im Wochenbett. Planen Sie eine Kontrolle der Brillen- oder Kontaktlinsenstärke idealerweise einige Monate nach dem Abstillen, wenn sich die Augen stabilisiert haben. Frauen mit Diabetes sollten die vereinbarte Nachkontrolle der Netzhaut nicht vergessen, auch wenn der Alltag mit dem Baby voll ist. Mehr dazu, wie Schlafmangel die Augen beeinflusst, lesen Sie in unserem Beitrag Wie Schlaf die Augen beeinflusst.

Untersuchungen beim Augenarzt in der Schwangerschaft

Augenärztliche Untersuchungen sind in der Schwangerschaft grundsätzlich möglich. Sagen Sie in der Praxis Bescheid, dass Sie schwanger sind. Pupillenerweiternde Tropfen werden bei medizinischer Notwendigkeit eingesetzt, oft in der niedrigsten wirksamen Dosis. Moderne Netzhautaufnahmen wie die optische Kohärenztomografie (OCT) arbeiten mit Licht und sind unbedenklich. Bei der Fluoreszenzangiografie mit Farbstoff wägt die Ärztin Nutzen und Risiko sorgfältig ab.

Wann Sie zum Augenarzt sollten

Leichte Trockenheit oder geringe Schwankungen der Sehschärfe können Sie bei der nächsten Gelegenheit ansprechen. Vereinbaren Sie einen Termin, wenn die Beschwerden stark sind, über Wochen anhalten oder Sie im Alltag einschränken. Frauen mit Diabetes sollten die Netzhautkontrollen fest in die Schwangerschaftsplanung einbeziehen.

Sofort handeln bei: plötzlichen Sehstörungen wie Flimmern, Blitzen, verschwommenem Sehen, dunklen Flecken oder Gesichtsfeldausfällen, insbesondere mit Kopfschmerzen, Oberbauchschmerzen oder Schwellungen; plötzlichem Sehverlust; einem Schatten oder Vorhang vor dem Auge; starken Augenschmerzen oder einem roten, schmerzenden Auge mit Sehverschlechterung. Rufen Sie in diesen Fällen sofort Ihre Ärztin, den Kreißsaal oder den Notruf 112 an.

Die meisten Augenveränderungen in der Schwangerschaft sind lästig, aber harmlos. Wer die Warnzeichen kennt, kann im Ernstfall schnell handeln und sich ansonsten entspannt auf die Zeit mit dem Baby freuen.

Häufig gestellte Fragen

Ist verschwommenes Sehen in der Schwangerschaft normal?

Leichte, langsam auftretende Unschärfe durch Hornhautveränderungen oder trockene Augen ist häufig und meist harmlos. Plötzlich verschwommenes Sehen, besonders mit Kopfschmerzen oder Schwellungen, kann jedoch auf eine Präeklampsie hinweisen und muss sofort ärztlich abgeklärt werden.

Sollte ich in der Schwangerschaft eine neue Brille kaufen?

Wenn möglich, warten Sie mit einer neuen Verordnung, bis sich die Augen einige Wochen bis Monate nach Geburt und Stillzeit stabilisiert haben. Bei deutlichen Einschränkungen, etwa beim Autofahren, kann eine vorübergehende Brille sinnvoll sein.

Darf ich in der Schwangerschaft Kontaktlinsen tragen?

Ja, das ist grundsätzlich erlaubt. Viele Frauen vertragen ihre Linsen aber schlechter. Verkürzen Sie die Tragezeit, verwenden Sie benetzende Tropfen und lassen Sie bei Beschwerden den Sitz überprüfen.

Welche Augentropfen sind in der Schwangerschaft sicher?

Konservierungsmittelfreie künstliche Tränen gelten allgemein als unbedenklich. Bei medikamentösen Tropfen, etwa gegen Allergien, Entzündungen oder Glaukom, sollten Sie vor der Anwendung mit Ihrer Ärztin sprechen.

Welche Sehstörungen deuten auf eine Präeklampsie hin?

Typisch sind Flimmern, Lichtblitze, verschwommenes Sehen, dunkle Flecken oder Gesichtsfeldausfälle. Treten sie zusammen mit Kopfschmerzen, Oberbauchschmerzen oder Schwellungen auf, ist das ein Notfall. Rufen Sie sofort Ihre Ärztin, den Kreißsaal oder den Notruf an.

Wie oft sollten Schwangere mit Diabetes zum Augenarzt?

Empfohlen werden eine Untersuchung vor oder zu Beginn der Schwangerschaft, weitere Kontrollen im Verlauf je nach Befund und eine Nachkontrolle nach der Geburt. Ihre Augenärztin legt die genauen Abstände fest.

Kann ich mir in der Schwangerschaft die Augen lasern lassen?

Davon wird abgeraten. Die Brechkraft der Augen ist in Schwangerschaft und Stillzeit oft nicht stabil, und die Heilung kann anders verlaufen. Ein Eingriff sollte frühestens einige Monate nach dem Abstillen geplant werden.

Quellen
  • American Academy of Ophthalmology – Pregnancy and Your Vision
  • American College of Obstetricians and Gynecologists – Gestational Hypertension and Preeclampsia (Practice Bulletin No. 222)
  • NHS – Pre-eclampsia: Symptoms
  • American Diabetes Association – Standards of Care in Diabetes: Management of Diabetes in Pregnancy
  • Diabetes in Early Pregnancy Study / Diabetes Control and Complications Trial Research Group – Effect of pregnancy on microvascular complications
  • Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe – Leitlinie Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen

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