Augengymnastik

Erkrankungen & Symptome

Tränende Augen: Warum sie entstehen und was wirklich hilft

Ständig nasse Augen sind lästig und manchmal ein Hinweis auf ein behandelbares Problem. Wir erklären die häufigsten Ursachen bei Erwachsenen und Babys und was jeweils hilft.

7 Min. Lesezeit Redaktion

Die Augen tränen beim Spaziergang im Wind, beim Lesen am Bildschirm oder scheinbar ohne jeden Grund. Die Tränen laufen über die Wange, die Sicht verschwimmt, und das ständige Abwischen reizt die Haut um die Augen. Tränende Augen (in der Fachsprache Epiphora) sind ein sehr häufiges Problem, das Menschen jeden Alters betrifft – vom Neugeborenen bis zum Senior.

Hinter tränenden Augen steckt nicht immer zu viel Tränenflüssigkeit. Oft fließen die Tränen schlicht nicht richtig ab, oder das Auge produziert Reflextränen, weil es eigentlich zu trocken ist. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Ursachen am häufigsten sind, wie Sie sie unterscheiden können, welche Behandlungen helfen und wann ein Arztbesuch nötig ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Tränende Augen entstehen entweder durch vermehrte Tränenproduktion oder durch einen gestörten Abfluss der Tränen.
  • Eine der häufigsten Ursachen ist paradoxerweise das Trockene Auge: Die gereizte Oberfläche löst Reflextränen aus.
  • Weitere häufige Ursachen sind Allergien, Lidfehlstellungen, Lidrandentzündungen, Infektionen und ein verengter Tränenkanal.
  • Bei Babys ist ein noch nicht geöffneter Tränennasengang häufig und bessert sich meist im ersten Lebensjahr von selbst.
  • Schmerzen, Sehverschlechterung, starke Rötung oder eine schmerzhafte Schwellung am inneren Lidwinkel erfordern ärztliche Abklärung.

Wie Tränen entstehen und abfließen

Die Tränenflüssigkeit wird hauptsächlich von der Tränendrüse gebildet, die oben außen in der Augenhöhle liegt, sowie von vielen kleinen Drüsen in Bindehaut und Lidrand. Mit jedem Lidschlag wird sie über die Augenoberfläche verteilt und zum inneren Lidwinkel transportiert. Dort befinden sich an Ober- und Unterlid zwei winzige Öffnungen, die Tränenpünktchen. Von ihnen fließen die Tränen über kleine Kanälchen in den Tränensack und weiter durch den Tränennasengang in die Nase. Deshalb läuft beim Weinen auch die Nase.

Störungen können an jeder Stelle dieses Systems auftreten: Die Produktion kann gesteigert sein, die Pumpfunktion der Lider kann nachlassen, oder der Abflussweg kann verengt oder verschlossen sein. Mehr zum Aufbau des Auges finden Sie im Ratgeber zur Anatomie des Auges.

Die häufigsten Ursachen im Überblick

UrsacheTypische HinweiseMechanismus
Trockenes AugeBrennen, Sandgefühl, Tränen vor allem bei Wind, Kälte oder BildschirmarbeitReflextränen durch gereizte Oberfläche
AllergieJuckreiz, beide Augen, saisonal, oft mit Niesen und laufender NaseVermehrte Produktion durch Entzündungsreaktion
Verengter TränennasengangStändiges Überlaufen, meist ohne Brennen, oft einseitig, eventuell Schleim im LidwinkelGestörter Abfluss
LidfehlstellungUnterlid hängt nach außen oder dreht sich nach innen, häufiger im AlterTränenpünktchen liegt nicht am Auge an oder Wimpern reizen
LidrandentzündungGerötete, verkrustete Lidränder, Beschwerden morgensInstabiler Tränenfilm, Reizung
BindehautentzündungRötung, Ausfluss, oft zuerst ein Auge, dann das zweiteEntzündliche Reizung
Fremdkörper, VerletzungPlötzlich, einseitig, Schmerz, FremdkörpergefühlSchutzreflex

Trockene Augen: Wenn Tränen ein Zeichen von Trockenheit sind

Es klingt widersprüchlich, ist aber eine der häufigsten Ursachen für tränende Augen bei Erwachsenen. Ist der normale, gleichmäßig schützende Tränenfilm gestört, trocknen Stellen auf der Hornhaut aus. Die Nerven der Hornhaut melden Reizung, und die Tränendrüse reagiert mit einem Schwall wässriger Reflextränen. Diese Tränen enthalten wenig Fett und Schleim, haften schlecht und laufen über, ohne das Problem zu lösen.

Typisch sind Beschwerden bei Wind, Kälte, trockener Heizungsluft oder nach langem Lesen und Bildschirmarbeit. Hier hilft es, den Tränenfilm zu stabilisieren: mit konservierungsmittelfreien Tränenersatzmitteln, regelmäßigen Pausen, bewusstem Blinzeln und einer besseren Luftfeuchtigkeit. Wie Sie das passende Produkt finden, erklärt der Beitrag Künstliche Tränen richtig auswählen. Grundlagen bietet der Ratgeber zum Trockenen Auge.

Allergien

Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare oder Schimmelpilzsporen können eine allergische Bindehautentzündung auslösen. Die Augen tränen, jucken stark, sind gerötet, und die Lider können anschwellen. Meist sind beide Augen betroffen, oft gemeinsam mit Heuschnupfen-Beschwerden. Bei Pollenallergie treten die Symptome saisonal auf, bei Milben- oder Tierhaarallergie eher ganzjährig.

Hilfreich sind das Meiden der Auslöser, kühle Kompressen, das Ausspülen der Augen mit Tränenersatzmitteln und rezeptfreie antiallergische Augentropfen mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Antihistaminika oder Mastzellstabilisatoren. Bei starken Beschwerden kann die Augenärztin oder der Augenarzt weitere Behandlungen verordnen. Mehr dazu im Ratgeber zu Augenallergien.

Tipp: In der Pollensaison hilft es, abends die Haare zu waschen, Kleidung nicht im Schlafzimmer abzulegen, Fenster zu Hauptflugzeiten geschlossen zu halten und draußen eine Sonnenbrille zu tragen, die die Augen etwas vor Pollen abschirmt.

Verengter oder verstopfter Tränennasengang

Bei Erwachsenen

Mit zunehmendem Alter kann sich der Tränennasengang verengen, häufiger bei Frauen. Weitere Ursachen sind chronische Entzündungen, Verletzungen im Bereich der Nase, frühere Nasennebenhöhlen-Operationen oder selten Tumoren. Typisch ist ein ständiges Überlaufen der Tränen, oft nur auf einer Seite und ohne Brennen oder Jucken. Manchmal sammelt sich zäher Schleim im inneren Lidwinkel.

Staut sich die Tränenflüssigkeit im Tränensack, können sich Bakterien vermehren. Es kommt zu einer Entzündung des Tränensacks (Dakryozystitis): Der innere Lidwinkel schwillt schmerzhaft an, ist gerötet und überwärmt, und auf Druck kann Eiter austreten. Das muss ärztlich behandelt werden, meist mit Antibiotika.

Die Augenärztin oder der Augenarzt kann die Durchgängigkeit der Tränenwege mit einer Spülung prüfen. Bei einer dauerhaften Verengung kann eine Operation sinnvoll sein, bei der ein neuer Abflussweg zur Nase geschaffen wird (Dakryozystorhinostomie). Dieser Eingriff ist gut etabliert und kann von außen oder durch die Nase erfolgen.

Bei Babys

Sehr häufig tränen die Augen von Neugeborenen und Säuglingen, weil sich der Tränennasengang zur Nase hin bei der Geburt noch nicht vollständig geöffnet hat. Eine dünne Membran am unteren Ende verschließt ihn. Die Eltern bemerken ein „feuchtes Auge“, Tränen auf der Wange und manchmal verklebte Wimpern oder gelblichen Schleim, besonders morgens. Das Auge selbst ist dabei meist nicht gerötet.

Die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen öffnet sich der Gang innerhalb des ersten Lebensjahres von selbst. Hilfreich sind:

  • Sanftes Reinigen der Lider mit abgekochtem, lauwarmem Wasser und einem sauberen Wattepad, von außen nach innen.
  • Eine Massage des Tränensacks nach Anleitung des Kinderarztes oder der Augenärztin: Mit sauberem Finger mehrmals täglich sanft am inneren Lidwinkel entlang Richtung Nase streichen.
  • Bei eitrigem Sekret entscheidet die Ärztin oder der Arzt, ob antibiotische Tropfen nötig sind.

Öffnet sich der Gang bis etwa zum ersten Geburtstag nicht, kann eine kurze Sondierung oder Spülung unter Narkose durchgeführt werden. Weitere Informationen zur Augengesundheit bei Kindern bietet der Ratgeber Augen bei Kindern.

Bei Babys sofort ärztlich abklären lassen: eine gerötete, geschwollene, schmerzhafte Stelle am inneren Lidwinkel, Fieber, ein trüber oder vergrößert wirkender Augapfel, starke Lichtscheu oder ein stark gerötetes Auge. Ständiges Tränen zusammen mit Lichtscheu und vergrößerten, trüben Hornhäuten kann selten auf ein angeborenes Glaukom hinweisen, das dringend behandelt werden muss.

Lidfehlstellungen und Lidprobleme

Mit dem Alter verlieren die Lider an Spannung. Das Unterlid kann nach außen kippen (Ektropium). Das Tränenpünktchen liegt dann nicht mehr am Auge an, die Tränen können nicht abfließen und laufen über die Lidkante. Gleichzeitig trocknet die freiliegende Bindehaut aus und wird gereizt. Dreht sich das Lid dagegen nach innen (Entropium), scheuern die Wimpern auf der Hornhaut und lösen Reflextränen und Schmerzen aus.

Auch eine nachlassende Lidspannung ohne sichtbare Fehlstellung kann die „Tränenpumpe“ schwächen. Nach einer Gesichtsnervenlähmung (Fazialisparese) schließt das Lid nicht vollständig, was ebenfalls zu Trockenheit und Tränen führt. Lidfehlstellungen lassen sich meist mit einem kleinen chirurgischen Eingriff gut korrigieren. Bis dahin helfen Tränenersatzmittel und Salben zum Schutz der Augenoberfläche.

Lidrandentzündung

Eine chronische Entzündung der Lidränder (Blepharitis) mit verstopften Talgdrüsen stört die Fettschicht des Tränenfilms. Die Folge sind brennende, gerötete und häufig tränende Augen, verkrustete Wimpern am Morgen und manchmal wiederkehrende Gerstenkörner. Die wichtigste Maßnahme ist eine konsequente Lidrandpflege mit Wärme und Reinigung. Eine Anleitung zu warmen Kompressen finden Sie in unserer Übungssammlung, Details im Ratgeber zur Lidrandentzündung.

Infektionen und Entzündungen

Eine Bindehautentzündung durch Viren oder Bakterien führt häufig zu tränenden, geröteten Augen mit wässrigem oder eitrigem Ausfluss. Virale Formen sind sehr ansteckend und heilen meist von selbst ab; bakterielle Formen werden je nach Ausprägung mit antibiotischen Tropfen behandelt, über die die Ärztin oder der Arzt entscheidet. Wichtig sind gründliches Händewaschen, eigene Handtücher und kein Reiben.

Ernster sind Entzündungen der Hornhaut, etwa bei Kontaktlinsenträgern, oder eine Entzündung im Augeninneren (Uveitis). Sie gehen meist mit Schmerzen, Lichtscheu und Sehverschlechterung einher und müssen rasch behandelt werden.

Weitere Auslöser

  • Wind, Kälte, grelles Licht: Normale Schutzreaktion, die bei trockenem Auge verstärkt ist.
  • Fremdkörper: Ein Staubkorn oder eine Wimper unter dem Lid löst sofort starkes Tränen aus.
  • Eingewachsene Wimpern (Trichiasis): Einzelne Wimpern wachsen Richtung Auge und reizen die Hornhaut.
  • Medikamente: Manche Wirkstoffe können den Tränenfluss beeinflussen; Informationen bietet der Ratgeber Medikamente und Augen.
  • Gähnen, Lachen, Erbrechen: Kurzzeitiges Tränen ist normal.
  • Nach Gesichtslähmung: Selten treten Tränen beim Essen auf, die sogenannten Krokodilstränen.

Was Sie selbst tun können

  1. Beobachten: Wann tränen die Augen? Bei Wind, am Bildschirm, ständig? Ein- oder beidseitig? Mit Juckreiz, Brennen oder Schmerzen? Diese Informationen helfen bei der Diagnose.
  2. Nicht ständig wischen: Tupfen Sie Tränen vorsichtig mit einem sauberen Taschentuch von außen nach innen ab. Häufiges Reiben kann das Unterlid zusätzlich nach außen ziehen.
  3. Tränenersatzmittel: Bei Verdacht auf trockene Augen konservierungsmittelfreie Tropfen ausprobieren.
  4. Schutz vor Wind: Eine gut sitzende Brille oder Sonnenbrille schirmt ab.
  5. Lidrandpflege: Bei verkrusteten Lidrändern täglich Wärme und Reinigung.
  6. Allergene meiden: In der Pollensaison die oben genannten Tipps beachten.
  7. Haut schützen: Eine milde Pflegecreme beugt Rötung und Wundsein der Haut unter den Augen vor; nicht ins Auge bringen.

Tränende Augen sind bei Erwachsenen selten gefährlich, mindern aber die Lebensqualität erheblich – etwa beim Autofahren, Lesen oder bei der Arbeit. Es lohnt sich daher, die Ursache abklären zu lassen, statt sich jahrelang damit abzufinden. Viele Ursachen lassen sich gut behandeln.

Wann Sie zum Augenarzt sollten

Vereinbaren Sie einen Termin, wenn die Augen über mehrere Wochen tränen, wenn nur ein Auge betroffen ist, wenn Sie eine Lidfehlstellung bemerken, wenn sich Schleim oder Eiter im inneren Lidwinkel sammelt oder wenn Selbsthilfemaßnahmen nicht helfen. Bei Babys besprechen Sie ein dauerhaft tränendes Auge bei den Vorsorgeuntersuchungen mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt.

Sofort ärztliche Hilfe suchen bei: starken Augenschmerzen, plötzlicher Sehverschlechterung, starker Lichtscheu, einem stark geröteten Auge, einer schmerzhaften, roten Schwellung am inneren Lidwinkel, Fieber, einem Fremdkörper, der sich nicht ausspülen lässt, nach Verletzungen oder Verätzungen sowie bei Kontaktlinsenträgern mit rotem, schmerzendem Auge. Wichtige Erste-Hilfe-Maßnahmen beschreibt der Ratgeber Augennotfälle.

Fazit

Tränende Augen haben viele mögliche Ursachen – vom trockenen Auge über Allergien und Lidprobleme bis zum verengten Tränennasengang. Bei Babys steckt meist ein noch nicht geöffneter Tränenkanal dahinter, der sich in der Regel von selbst öffnet. Die richtige Behandlung hängt von der Ursache ab: Tränenersatzmittel, Lidrandpflege, antiallergische Maßnahmen oder in manchen Fällen ein kleiner Eingriff. Halten die Beschwerden an oder kommen Schmerzen, Rötung oder Sehstörungen hinzu, sollte das Auge augenärztlich untersucht werden.

Häufig gestellte Fragen

Warum tränen meine Augen, wenn sie trocken sind?

Ist der Tränenfilm gestört, trocknen Stellen der Hornhaut aus. Das Auge reagiert mit wässrigen Reflextränen, die schlecht haften und überlaufen. Konservierungsmittelfreie Tränenersatzmittel stabilisieren den Tränenfilm und können das Tränen dadurch verringern.

Warum tränen die Augen im Wind und in der Kälte?

Wind und Kälte lassen den Tränenfilm schneller verdunsten und reizen die Augenoberfläche, worauf das Auge mit Reflextränen reagiert. Bei trockenen Augen ist diese Reaktion besonders stark. Eine Brille oder Sonnenbrille schützt.

Ist ein tränendes Auge beim Baby gefährlich?

Meist nicht. Häufig hat sich der Tränennasengang noch nicht vollständig geöffnet, was sich in der Regel im ersten Lebensjahr von selbst bessert. Rötung, Schwellung, Fieber, Lichtscheu oder ein trüber Augapfel müssen jedoch sofort ärztlich abgeklärt werden.

Wie wird ein verstopfter Tränenkanal bei Erwachsenen behandelt?

Zunächst prüft die Augenärztin oder der Augenarzt mit einer Spülung, ob und wo der Abfluss behindert ist. Bei einer dauerhaften Verengung kann ein operativer Eingriff einen neuen Abflussweg zur Nase schaffen. Eine Entzündung des Tränensacks wird meist mit Antibiotika behandelt.

Können Allergien tränende Augen verursachen?

Ja. Allergische Bindehautentzündungen führen typischerweise zu tränenden, stark juckenden, geröteten Augen, oft gemeinsam mit Heuschnupfen. Antiallergische Augentropfen und das Meiden der Auslöser helfen.

Warum tränt nur ein Auge?

Einseitiges Tränen spricht eher für eine lokale Ursache wie einen verengten Tränennasengang, eine Lidfehlstellung, einen Fremdkörper oder eine einseitige Entzündung. Es sollte augenärztlich untersucht werden, besonders wenn es länger anhält.

Hilft es, die Tränen ständig abzuwischen?

Häufiges Wischen reizt die Haut und kann das Unterlid nach außen ziehen, was das Problem verstärkt. Besser ist es, die Tränen vorsichtig mit einem sauberen Taschentuch von außen nach innen abzutupfen.

Quellen
  • American Academy of Ophthalmology – Watery Eyes (patient information)
  • NHS – Watering eyes
  • Royal College of Ophthalmologists – Watery eyes (epiphora) patient information
  • American Academy of Ophthalmology – Blocked Tear Duct (patient information)
  • Pediatric Eye Disease Investigator Group – Resolution of congenital nasolacrimal duct obstruction with nonsurgical management, Archives of Ophthalmology 2012
  • TFOS DEWS II – Definition and Classification Report, The Ocular Surface 2017

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