Augengymnastik

Alltag & Schutz

Augen im Sommer schützen: Sonne, Hitze, Meer und Staub

Sonne, Badesee, Flugreise, Klimaanlage: Der Sommer stellt besondere Anforderungen an die Augen. Wie Sie UV-Schäden, Trockenheit und Infektionen vorbeugen.

7 Min. Lesezeit Redaktion

Lange Tage, Badeausflüge, Urlaub am Meer oder in den Bergen – der Sommer ist für viele die schönste Zeit des Jahres. Für die Augen bringt er allerdings eine ganze Reihe von Belastungen mit sich: intensive UV-Strahlung, Hitze und trockene Luft, Chlor im Schwimmbad, Salzwasser, Sand und Staub, Pollen, klimatisierte Räume und lange Flugreisen. Dazu kommen Bindehautentzündungen, die sich in Ferienlagern, Hotels und Schwimmbädern schnell verbreiten können.

Die meisten dieser Risiken lassen sich mit einfachen Maßnahmen gut beherrschen. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie Ihre Augen im Sommer wirksam schützen, welche Fehler häufig gemacht werden und wann Beschwerden ärztlich abgeklärt werden sollten. So können Sie die warme Jahreszeit unbeschwert genießen.

Das Wichtigste in Kürze

  • UV-Strahlung kann kurzfristig eine schmerzhafte Hornhautentzündung auslösen und trägt langfristig zu Grauem Star, Pterygium und Lidtumoren bei.
  • Sonnenbrille mit UV400 oder Kennzeichnung nach EN ISO 12312-1 plus Hut mit Krempe bieten den besten Schutz – auch bei bewölktem Himmel.
  • Chlor- und Salzwasser reizen die Augen; eine gut sitzende Schwimmbrille schützt, Kontaktlinsen gehören nicht ins Wasser.
  • Hitze, Wind, Klimaanlage und zu wenig Trinken verstärken trockene Augen.
  • Bindehautentzündungen sind im Sommer häufig: Hände waschen, Handtücher nicht teilen, Augen nicht reiben.

UV-Strahlung: die unsichtbare Gefahr

Ultraviolette Strahlung ist für das Auge unsichtbar und wird nicht als Wärme wahrgenommen. Gerade deshalb wird sie leicht unterschätzt. Im Sommer, um die Mittagszeit und in großer Höhe ist die Belastung am höchsten. Wasser, heller Sand und Schnee reflektieren zusätzlich einen Teil der Strahlung, sodass die Augen von oben und von unten getroffen werden. Auch bei leichter Bewölkung erreicht ein großer Teil der UV-Strahlung den Boden.

Kurzfristige Folgen

Eine starke UV-Belastung ohne Schutz kann zu einer Art Sonnenbrand der Hornhaut führen, der Photokeratitis. Die Beschwerden beginnen typischerweise einige Stunden nach der Exposition: starke Schmerzen, Fremdkörpergefühl, Tränen, Lichtempfindlichkeit und gerötete Augen. Bekannt ist das als Schneeblindheit, es kann aber auch am Strand oder auf dem Wasser auftreten. Die Beschwerden klingen meist innerhalb von ein bis zwei Tagen ab, sind aber sehr unangenehm. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag über Schneeblindheit und UV-Schäden.

Langfristige Folgen

Wichtiger noch sind die Folgen jahrelanger, wiederholter UV-Belastung. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation trägt UV-Strahlung zur Entstehung des Grauen Stars (Katarakt) bei. Außerdem begünstigt sie Bindehautwucherungen wie das Pterygium und die Pinguecula, die besonders bei Menschen auftreten, die viel im Freien, am Wasser oder in sonnenreichen Regionen leben. Die dünne Haut der Lider ist zudem eine häufige Stelle für hellen Hautkrebs. Ob UV-Licht auch zur altersbedingten Makuladegeneration beiträgt, ist nicht abschließend geklärt.

Die richtige Sonnenbrille und der Hut

Eine gute Sonnenbrille ist der wichtigste Schutz. Dabei kommt es weniger auf den Preis oder die Tönung an als auf den UV-Filter:

  • UV-Schutz: Achten Sie auf die Angabe UV400 oder 100 Prozent UV-Schutz sowie auf das CE-Zeichen und die Norm EN ISO 12312-1.
  • Tönung ist nicht gleich Schutz: Eine dunkle Brille ohne UV-Filter ist sogar schädlicher als keine, weil sich die Pupillen hinter dem dunklen Glas weiten und mehr ungefilterte Strahlung ins Auge gelangt.
  • Filterkategorie: Für den Alltag in Mitteleuropa reicht meist Kategorie 2, am Meer und in den Bergen ist Kategorie 3 sinnvoll. Kategorie 4 ist für extreme Bedingungen gedacht und für den Straßenverkehr nicht zugelassen.
  • Form: Große Gläser oder gebogene Fassungen schützen auch vor seitlich einfallendem Licht.
  • Polarisation: Polarisierte Gläser reduzieren Spiegelungen von Wasser und nassen Straßen. Sie verbessern den Komfort, sagen aber nichts über den UV-Schutz aus.

Eine Kappe oder ein Hut mit breiter Krempe hält zusätzlich einen erheblichen Teil der Strahlung von den Augen fern. Die Kombination aus Sonnenbrille und Hut ist besonders wirksam. Ausführliche Informationen finden Sie in unserem Beitrag So wählen Sie eine Sonnenbrille, die wirklich schützt.

Kinder brauchen einen besonders guten UV-Schutz, weil ihre Augenlinse mehr UV-Strahlung durchlässt als die von Erwachsenen. Eine Kindersonnenbrille mit UV400, ein Sonnenhut und Schatten in der Mittagszeit sind die beste Vorsorge. Schauen Sie niemals direkt in die Sonne – auch nicht kurz und schon gar nicht bei einer Sonnenfinsternis ohne spezielle Schutzbrille.

Chlor, Salzwasser und Badesee

Gerötete, brennende Augen nach dem Schwimmen kennen viele. Im Schwimmbad sind dafür weniger das Chlor selbst als vielmehr Chloramine verantwortlich, die entstehen, wenn Chlor mit Schweiß, Urin und Hautpartikeln reagiert. Sie reizen die Bindehaut und stören den Tränenfilm. Salzwasser wiederum entzieht der Augenoberfläche Feuchtigkeit und kann kleine Sandpartikel mitbringen.

  • Tragen Sie beim Schwimmen eine gut sitzende Schwimmbrille. Für Brillenträger gibt es Schwimmbrillen mit Sehstärke.
  • Spülen Sie nach dem Baden das Gesicht mit klarem Wasser ab und tupfen Sie die Augen mit einem sauberen Handtuch trocken.
  • Befeuchtende Tropfen ohne Konservierungsmittel können danach angenehm sein.
  • Reiben Sie die Augen nicht, wenn Sand oder Salz darin ist, sondern spülen Sie sie aus.

Kontaktlinsen und Wasser vertragen sich nicht. In Leitungs-, Schwimmbad-, See- und Meerwasser können Akanthamöben vorkommen, die sich an Kontaktlinsen festsetzen und eine schwere Hornhautentzündung auslösen können. Nehmen Sie Linsen zum Schwimmen heraus oder tragen Sie bei Bedarf Tageslinsen unter einer dicht schließenden Schwimmbrille und entsorgen Sie diese direkt danach. Mehr dazu im Beitrag Schwimmen und Augen.

Hitze, Wind und trockene Augen

Hohe Temperaturen, Wind, Sonne und trockene Luft erhöhen die Verdunstung des Tränenfilms. Wer im Sommer wenig trinkt oder stark schwitzt, hat zudem einen geringeren Flüssigkeitshaushalt, was bei manchen Menschen trockene Augen verstärken kann. Hinzu kommen Ventilatoren und Klimaanlagen, die die Luft im Raum stark entfeuchten können. Gerade Menschen, die ohnehin zu einem trockenen Auge neigen, spüren im Sommer oft eine Verschlechterung.

  1. Trinken Sie ausreichend, an heißen Tagen deutlich mehr als sonst.
  2. Richten Sie Ventilatoren und Klimaanlagen nicht direkt auf das Gesicht.
  3. Tragen Sie bei Wind und auf dem Fahrrad eine Sonnenbrille oder Brille mit gutem Seitenschutz.
  4. Verwenden Sie bei Bedarf künstliche Tränen; bei häufiger Anwendung sind Präparate ohne Konservierungsmittel besser verträglich.
  5. Gönnen Sie den Augen bei Bildschirmarbeit im klimatisierten Büro regelmäßig Pausen.

Hilfreiche Hinweise für klimatisierte Räume finden Sie im Beitrag Trockene Augen im klimatisierten Büro.

Staub, Sand und Pollen

Am Strand, auf Baustellen, bei der Gartenarbeit oder auf staubigen Wanderwegen gelangen leicht Fremdkörper ins Auge. Kleine Sandkörner werden meist mit Tränen und Blinzeln von selbst herausgespült. Wenn nicht, spülen Sie das Auge mit sauberem Wasser oder Kochsalzlösung. Reiben Sie keinesfalls, denn das kann die Hornhaut zerkratzen.

Im Sommer fliegen außerdem Gräser- und Getreidepollen, die bei Allergikern juckende, tränende und gerötete Augen auslösen. Kühle Kompressen, Sonnenbrillen als Barriere, abendliches Haarewaschen und das Schließen der Fenster während der Hauptflugzeit helfen. Für die Auswahl geeigneter Medikamente sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Apothekerin. Weitere Tipps gibt unser Ratgeber zu Augenallergien.

Flugreisen und Urlaub

Die Luft in Flugzeugkabinen ist sehr trocken, oft deutlich trockener als in einer Wüstenregion. Auf Langstreckenflügen trocknen deshalb viele Augen aus, besonders bei Kontaktlinsenträgern. Einige Tipps für die Reise:

  • Auf langen Flügen lieber Brille statt Kontaktlinsen tragen.
  • Befeuchtende Augentropfen im Handgepäck mitnehmen; kleine Einzeldosen sind praktisch.
  • Ausreichend Wasser trinken, Alkohol und Koffein in Maßen.
  • Die Lüftungsdüse über dem Sitz nicht direkt auf das Gesicht richten.
  • Beim Schlafen eine Schlafmaske tragen und Linsen vorher herausnehmen.
  • Eine Ersatzbrille, Ihre Brillenwerte und benötigte Augenmedikamente mitnehmen.

Weitere Hinweise enthält unser Beitrag Augen schützen auf Reisen und Flügen.

Bindehautentzündung: Sommerzeit ist Ansteckungszeit

Wenn viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen – in Ferienlagern, Hotels, Schwimmbädern und Freizeitparks – verbreiten sich ansteckende Bindehautentzündungen leichter. Besonders die virale Form durch Adenoviren ist hochansteckend. Typisch sind ein rotes, tränendes Auge, ein Sandkorngefühl und häufig ein Übergreifen auf das zweite Auge nach einigen Tagen. Eine bakterielle Entzündung zeigt sich eher durch gelblichen, klebrigen Ausfluss.

UrsacheTypische ZeichenWas tun?
ViralWässriges Sekret, Sandkorngefühl, oft nach Erkältung, beide Augen nacheinanderStrenge Hygiene, kühle Kompressen, bei starken Beschwerden zum Arzt
BakteriellGelblich-eitriges Sekret, verklebte Lider am MorgenÄrztliche Abklärung, ggf. verordnete Tropfen
AllergischStarker Juckreiz, beide Augen, oft mit NiesenAllergene meiden, kühlen, Beratung zu Antiallergika
Reizung (Chlor, Sonne, Rauch)Rötung, Brennen, bessert sich nach Ende der ExpositionSpülen, Augen schonen, Schutzbrille verwenden

Vorbeugend helfen häufiges Händewaschen, eigene Handtücher und Kissen, kein gemeinsames Benutzen von Augen-Make-up oder Augentropfen und vor allem: die Augen nicht mit den Händen reiben. Wer bereits erkrankt ist, sollte Gemeinschaftsbäder meiden, bis die Entzündung abgeklungen ist. Mehr erfahren Sie in unserem Ratgeber zur Bindehautentzündung.

Sommer-Checkliste für gesunde Augen

  1. Sonnenbrille mit UV400 und Hut bei jedem Aufenthalt im Freien.
  2. Zwischen 11 und 15 Uhr möglichst Schatten suchen.
  3. Schwimmbrille beim Baden, keine Kontaktlinsen im Wasser.
  4. Viel trinken und Luftzug auf die Augen vermeiden.
  5. Hände waschen, Augen nicht reiben, Handtücher nicht teilen.
  6. Befeuchtende Tropfen und Ersatzbrille im Reisegepäck.
  7. Kinder besonders gut schützen.

Wann Sie zum Augenarzt sollten

Leichte Rötung und Brennen nach einem Strandtag oder Schwimmbadbesuch sind meist harmlos und verschwinden nach einigen Stunden. Bei manchen Beschwerden sollten Sie jedoch nicht abwarten.

Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe bei: starken Augenschmerzen, plötzlicher Sehverschlechterung oder ausgeprägter Lichtempfindlichkeit; einem roten, schmerzhaften Auge bei Kontaktlinsenträgern, besonders nach Kontakt mit Wasser; einem Fremdkörper, der sich nicht ausspülen lässt, oder einer Verletzung durch einen spitzen Gegenstand; Chemikalien im Auge (sofort 10 bis 15 Minuten spülen); Lichtblitzen, Schatten oder einem Vorhang im Gesichtsfeld. Hilfe für den Ernstfall bietet unser Ratgeber Augennotfälle und Erste Hilfe.

Vereinbaren Sie außerdem einen Termin, wenn Rötung und Ausfluss länger als einige Tage anhalten, wenn ein Säugling oder Kleinkind eine Augenentzündung hat oder wenn Sie eine neue, wachsende Veränderung an der Bindehaut oder am Lid bemerken. Eine Kontrolle vor dem Urlaub kann zudem sinnvoll sein, wenn Ihre letzte Augenuntersuchung länger zurückliegt.

Häufig gestellte Fragen

Brauche ich auch bei bewölktem Himmel eine Sonnenbrille?

Ja, zumindest bei längeren Aufenthalten im Freien. Ein großer Teil der UV-Strahlung durchdringt die Wolken, und Wasser, Sand und Schnee reflektieren zusätzlich. Eine Sonnenbrille mit UV400 und ein Hut bieten auch dann wirksamen Schutz.

Sind teure Sonnenbrillen besser?

Nicht unbedingt. Entscheidend ist der UV-Schutz (UV400 oder 100 Prozent UV) und die Kennzeichnung nach EN ISO 12312-1. Auch günstige Brillen können diesen Schutz bieten. Teurere Modelle haben oft bessere optische Qualität, Polarisation oder robustere Fassungen.

Warum brennen die Augen nach dem Schwimmbad?

Verantwortlich sind vor allem Chloramine, die entstehen, wenn Chlor mit Schweiß und Urin reagiert. Sie reizen Bindehaut und Tränenfilm. Eine Schwimmbrille schützt, und Ausspülen mit klarem Wasser nach dem Baden lindert die Reizung.

Darf ich mit Kontaktlinsen im Meer schwimmen?

Davon wird abgeraten, da im Wasser Mikroorganismen wie Akanthamöben vorkommen, die schwere Hornhautinfektionen verursachen können. Nehmen Sie die Linsen heraus oder tragen Sie Tageslinsen unter einer dichten Schwimmbrille und entsorgen Sie diese direkt nach dem Baden.

Wie schütze ich meine Augen im Flugzeug?

Tragen Sie auf langen Flügen eine Brille statt Kontaktlinsen, nehmen Sie befeuchtende Augentropfen mit, trinken Sie ausreichend und richten Sie die Lüftungsdüse nicht auf Ihr Gesicht. Beim Schlafen sollten keine Linsen getragen werden.

Wie erkenne ich eine ansteckende Bindehautentzündung?

Typisch sind gerötete, tränende Augen mit Sandkorngefühl, oft nach einer Erkältung und mit Übergreifen auf das zweite Auge. Eitriges Sekret spricht eher für eine bakterielle Ursache. Strenge Hygiene verhindert die Ansteckung anderer; bei starken Beschwerden sollten Sie zum Arzt gehen.

Quellen
  • World Health Organization – Ultraviolet radiation and the eye
  • American Academy of Ophthalmology – Sunglasses and UV protection (patient information)
  • Bundesamt für Strahlenschutz – UV-Strahlung und Augen
  • Centers for Disease Control and Prevention – Contact lenses and water exposure; Acanthamoeba keratitis
  • NHS – Conjunctivitis
  • DIN EN ISO 12312-1 – Augen- und Gesichtsschutz: Sonnenbrillen für den allgemeinen Gebrauch

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