Augengymnastik

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Hornhauttransplantation und Hornhautspende: Verfahren und Ablauf

Die Hornhauttransplantation ist die häufigste Gewebetransplantation in Deutschland. Welche Verfahren es gibt, wie die Heilung verläuft, welche Warnzeichen zählen und wie eine Spende abläuft.

Aktualisiert: 10. Oktober 2026 7 Min. Lesezeit Redaktion

Wenn die Hornhaut, das klare Fenster vorne am Auge, trüb, vernarbt oder stark verformt ist, hilft oft weder eine Brille noch eine Kontaktlinse. Dann kann eine Hornhauttransplantation (Keratoplastik) das Sehen wiederherstellen. Sie ist die älteste und häufigste Gewebetransplantation überhaupt: In Deutschland werden jedes Jahr mehrere Tausend Hornhäute verpflanzt, und die Erfolgsaussichten sind im Vergleich zu Organtransplantationen sehr gut. Möglich wird das nur durch Menschen, die nach ihrem Tod ihre Hornhaut spenden.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Hornhautchirurgie stark verändert. Statt immer die gesamte Hornhaut zu ersetzen, tauschen Chirurgen heute oft nur die erkrankte Schicht aus. Das verkürzt die Heilung, senkt das Abstoßungsrisiko und führt häufig zu besserem Sehen. Dieser Ratgeber erklärt die verschiedenen Verfahren, die häufigsten Gründe für eine Transplantation, den Heilungsverlauf, die Warnzeichen einer Abstoßung und den Weg einer Hornhautspende.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei einer Hornhauttransplantation wird erkranktes Hornhautgewebe durch gesundes Spendergewebe ersetzt – ganz oder schichtweise.
  • Die perforierende Keratoplastik (PK) ersetzt die ganze Dicke, die DALK die vorderen Schichten, DMEK und DSAEK nur die innerste Schicht.
  • Häufige Gründe sind die Fuchs-Endotheldystrophie, Keratokonus, Narben nach Infektionen und Hornhautschwellung nach Operationen.
  • Die Heilung dauert je nach Verfahren Wochen bis über ein Jahr; konsequente Tropfentherapie und Kontrollen sind entscheidend.
  • Warnzeichen einer Abstoßung: Rötung, Lichtempfindlichkeit, Sehverschlechterung, Schmerzen – dann sofort zum Augenarzt.
  • Hornhautspende ist bis ins hohe Alter möglich und auch bei vielen Vorerkrankungen; sie wird im Organspendeausweis dokumentiert.

Aufbau der Hornhaut: Warum Schichten wichtig sind

Die Hornhaut ist nur etwa einen halben Millimeter dick, besteht aber aus mehreren Schichten mit unterschiedlichen Aufgaben. Dieses Verständnis ist der Schlüssel zu den modernen Operationsverfahren. Mehr Hintergrund bietet der Ratgeber Anatomie des Auges.

  • Epithel: die äußere Schutzschicht, die sich schnell erneuert.
  • Stroma: die dicke Mittelschicht aus regelmäßig angeordneten Kollagenfasern, die für Festigkeit und Klarheit sorgt.
  • Descemet-Membran: eine hauchdünne Basalmembran.
  • Endothel: eine einzelne Zellschicht an der Innenseite, die ständig Flüssigkeit aus der Hornhaut pumpt und sie so klar hält. Diese Zellen teilen sich beim Menschen praktisch nicht; gehen zu viele verloren, quillt die Hornhaut auf und wird trüb.

Wann ist eine Transplantation nötig?

Eine Keratoplastik kommt infrage, wenn die Hornhaut so verändert ist, dass sie das Sehen stark beeinträchtigt, Schmerzen verursacht oder das Auge gefährdet ist, und wenn andere Behandlungen nicht ausreichen. Die häufigsten Gründe:

ErkrankungWas ist betroffen?Häufiges Verfahren
Fuchs-EndotheldystrophieErbliche Schwäche der Endothelzellen, Hornhaut quillt auf; morgens oft schlechteres SehenDMEK oder DSAEK
Hornhautschwellung nach AugenoperationEndothelschaden, z. B. nach komplizierter KataraktoperationDMEK oder DSAEK
Fortgeschrittener KeratokonusKegelförmige Verdünnung des Stromas, Kontaktlinsen reichen nicht mehrDALK oder PK
Narben nach Infektionen oder VerletzungenStroma, manchmal alle SchichtenDALK oder PK
Hornhautgeschwür mit drohender PerforationAlle SchichtenNotfall-PK (à chaud)
Erbliche StromadystrophienAblagerungen im StromaDALK oder PK
Versagen eines früheren TransplantatsJe nach UrsacheWiederholte Keratoplastik

In Deutschland ist die Fuchs-Endotheldystrophie inzwischen der häufigste Grund für eine Hornhauttransplantation. Narben durch schwere Infektionen sind ein weiterer wichtiger Grund; mehr dazu im Ratgeber Hornhautgeschwür und Augeninfektionen.

Die Verfahren im Überblick

Perforierende Keratoplastik (PK)

Bei der klassischen, seit über hundert Jahren angewandten Methode wird eine runde Scheibe der gesamten Hornhaut, meist sieben bis acht Millimeter im Durchmesser, ausgestanzt und durch eine passende Spenderscheibe ersetzt. Diese wird mit sehr feinen Fäden eingenäht. Die PK ist nötig, wenn alle Schichten betroffen sind. Nachteile sind eine lange Heilungszeit, häufig ein ausgeprägter Hornhautastigmatismus durch die Nähte, ein höheres Abstoßungsrisiko und eine dauerhaft geringere Stabilität des Auges gegen Stöße.

Tiefe anteriore lamelläre Keratoplastik (DALK)

Bei der DALK werden nur Epithel und Stroma ersetzt, die gesunde Descemet-Membran und das Endothel des Patienten bleiben erhalten. Das ist ideal bei Keratokonus und Narben, wenn die Innenschicht gesund ist. Da das eigene Endothel bleibt, ist eine Abstoßung der Innenschicht – die gefährlichste Form – nicht möglich. Die Operation ist technisch anspruchsvoller und muss manchmal intraoperativ in eine PK umgewandelt werden. Auch hier sind Nähte notwendig, die Sehschärfe stabilisiert sich ähnlich langsam wie bei der PK.

DMEK und DSAEK: Ersatz der innersten Schicht

Bei Erkrankungen des Endothels genügt es, nur diese Schicht auszutauschen. Bei der DMEK (Descemet Membrane Endothelial Keratoplasty) wird ausschließlich die hauchdünne Descemet-Membran mit den Endothelzellen des Spenders durch einen kleinen Schnitt ins Auge eingebracht und mit einer Luft- oder Gasblase an die Rückfläche der Hornhaut gedrückt. Bei der DSAEK (Descemet Stripping Automated Endothelial Keratoplasty) wird zusätzlich eine dünne Schicht Stroma mitverpflanzt, was die Handhabung erleichtert.

Die Vorteile gegenüber der PK sind groß: keine oder kaum Nähte, schnellere Erholung, kaum Veränderung der Hornhautkrümmung und ein deutlich geringeres Abstoßungsrisiko. Die DMEK erreicht häufig die beste Sehschärfe, ist aber technisch anspruchsvoll. Gelegentlich löst sich das Transplantat teilweise und muss mit einer erneuten Luftfüllung wieder angelegt werden – ein kleiner Eingriff.

MerkmalPKDALKDSAEKDMEK
Ersetzte SchichtenAlleVordere SchichtenEndothel + dünnes StromaNur Endothel + Descemet
NähteViele, oft monatelangVieleKaumKaum
Sehen erholt sich nachOft 12–18 MonatenOft 12 MonatenWochen bis MonatenOft wenigen Wochen
AbstoßungsrisikoAm höchstenGering (kein Endothel)GeringAm geringsten
Typische AnwendungAlle Schichten geschädigtKeratokonus, NarbenEndothelerkrankungenFuchs-Dystrophie

Bei Patienten mit gleichzeitigem Grauen Star kann eine DMEK mit einer Kataraktoperation kombiniert werden.

Ablauf der Operation

Der Eingriff erfolgt in örtlicher Betäubung oder Vollnarkose und dauert meist ein bis zwei Stunden. Je nach Klinik bleiben Patienten einige Tage stationär. Nach einer DMEK oder DSAEK ist es wichtig, in den ersten Tagen viel auf dem Rücken zu liegen, damit die Gasblase das Transplantat an die richtige Stelle drückt. Die Kliniken geben dazu genaue Anweisungen.

Heilung und Nachsorge

Die Zeit nach der Operation entscheidet wesentlich über den langfristigen Erfolg. Wichtig sind:

  1. Augentropfen genau nach Plan: vor allem kortisonhaltige Tropfen, die eine Abstoßung verhindern sollen. Sie werden über Monate langsam reduziert, nach einer PK oft für längere Zeit. Brechen Sie die Behandlung nie eigenständig ab.
  2. Kontrolltermine: anfangs häufig, später in größeren Abständen. Dabei werden Augeninnendruck, Transplantat und Nähte geprüft – Kortison-Tropfen können den Druck erhöhen.
  3. Schutz vor Druck und Stößen: nicht am Auge reiben, nachts eine Schutzkappe tragen, Kontaktsportarten zunächst meiden. Ein mit PK operiertes Auge bleibt dauerhaft empfindlicher gegenüber Verletzungen; Schutzbrillen beim Sport sind sinnvoll.
  4. Fäden: werden nach einer PK oder DALK schrittweise über Monate bis Jahre entfernt. Ein gelockerter Faden kann Entzündungen und Abstoßungen auslösen und muss rasch entfernt werden.
  5. Brille oder Kontaktlinse: nach einer PK oder DALK bleibt oft eine Hornhautverkrümmung. Viele Patienten benötigen eine Brille oder formstabile Kontaktlinsen für optimales Sehen.

Augenübungen beschleunigen die Heilung eines Transplantats nicht und können eine Brille nicht ersetzen. In der Heilungsphase sollten Sie keine Übungen mit Druck auf das Auge, etwa Augenmassagen, durchführen. Sanftes Blinzeln und Pausen bei Bildschirmarbeit sind dagegen unproblematisch.

Abstoßung: Warnzeichen erkennen

Weil die Hornhaut keine Blutgefäße hat, ist das Abstoßungsrisiko viel geringer als bei Organen; eine Gewebetypisierung ist meist nicht nötig. Dennoch kann das Immunsystem das Spendergewebe angreifen, sogar viele Jahre nach der Operation. Wird eine Abstoßung früh erkannt und intensiv mit Kortison behandelt, lässt sie sich häufig stoppen. Daher gilt die Merkregel aus dem Englischen RSVP:

  • R – Redness: Rötung des Auges
  • S – Sensitivity: Lichtempfindlichkeit
  • V – Vision: verschwommenes oder schlechteres Sehen
  • P – Pain: Schmerzen oder Druckgefühl

Das Risiko ist höher bei Hornhäuten mit eingewachsenen Blutgefäßen, nach wiederholten Transplantationen, bei Entzündungen im Auge und bei jungen Patienten. Ein weiteres Risiko für Transplantate ist ein erhöhter Augeninnendruck; mehr zum Glaukom lesen Sie in unserem Ratgeber.

Erfolgsaussichten

Bei günstigen Ausgangsbedingungen, etwa einer Fuchs-Dystrophie oder einem Keratokonus, bleiben die meisten Transplantate über viele Jahre klar. Bei Hochrisikoaugen mit Gefäßeinsprossung, Verätzungen oder früheren Abstoßungen sind die Aussichten deutlich schlechter. Ein Transplantat kann auch Jahre später durch langsamen Zellverlust versagen; eine erneute Transplantation ist dann in der Regel möglich.

Hornhautspende: So funktioniert es

Ohne Spenderinnen und Spender gäbe es keine Hornhauttransplantation. In Deutschland übersteigt der Bedarf das Angebot, auch wenn sich die Lage durch Hornhautbanken verbessert hat. Viele Menschen wissen nicht, dass eine Hornhautspende unter anderen Bedingungen möglich ist als eine Organspende.

Wer kann spenden?

  • Eine Hornhautspende ist bis zu 72 Stunden nach dem Tod möglich, also auch nach einem Tod zu Hause oder im Pflegeheim, nicht nur nach einem Hirntod im Krankenhaus.
  • Es gibt keine feste Altersgrenze; auch ältere Menschen kommen häufig infrage.
  • Fehlsichtigkeit, eine frühere Kataraktoperation oder Diabetes schließen eine Spende in der Regel nicht aus.
  • Ausschlussgründe sind unter anderem bestimmte Infektionen wie HIV oder Hepatitis, einige Krebsarten des Blutes, Erkrankungen des Nervensystems unklarer Ursache und frühere Laseroperationen an der Hornhaut (für bestimmte Verfahren).

Ablauf einer Spende

  1. Zustimmung: Entweder hat die verstorbene Person die Zustimmung zu Lebzeiten dokumentiert – im Organspendeausweis, in einer Patientenverfügung oder im Organspende-Register – oder die Angehörigen entscheiden in ihrem Sinne.
  2. Entnahme: Speziell geschulte Ärzte entnehmen die Hornhaut oder den Augapfel unter sterilen Bedingungen. Das Gesicht wird würdevoll wiederhergestellt; eine offene Aufbahrung bleibt möglich.
  3. Prüfung in der Hornhautbank: Das Gewebe wird auf Qualität und Endothelzellzahl untersucht, das Blut der Spenderin oder des Spenders wird auf Infektionen getestet.
  4. Lagerung und Vermittlung: In Kulturmedium können Hornhäute mehrere Wochen gelagert und dann an Kliniken vermittelt werden.

Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen über Ihre Entscheidung und dokumentieren Sie sie. Im Organspendeausweis können Sie gezielt nur bestimmte Gewebe wie die Hornhaut freigeben oder ausschließen. Eine Spende ist eine der wirkungsvollsten Möglichkeiten, anderen Menschen das Sehen zurückzugeben.

Wann zum Arzt? Warnzeichen nach einer Transplantation

Nach jeder Hornhauttransplantation sollten Sie Beschwerden nicht abwarten, sondern sich lieber einmal zu viel melden. Ein Transplantat kann noch Jahre nach der Operation gefährdet sein.

Sofort Kontakt zur Klinik oder zum augenärztlichen Notdienst bei:

  • neuer Rötung, Lichtempfindlichkeit, Sehverschlechterung oder Schmerzen (RSVP)
  • einem Stoß oder Schlag auf das operierte Auge
  • plötzlich stark tränendem Auge oder Fremdkörpergefühl, etwa durch einen gelösten Faden
  • Absonderung von Eiter oder einem weißen Fleck auf der Hornhaut
  • starken Kopf- und Augenschmerzen mit Übelkeit (möglicher Druckanstieg)
  • nach DMEK: plötzlicher Verschlechterung in den ersten Tagen, die auf eine Ablösung hindeuten kann

Allgemeine Informationen zu Notfällen finden Sie im Ratgeber Augennotfälle und Erste Hilfe, einen Überblick über weitere Eingriffe im Ratgeber Augenoperationen.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert die Heilung nach einer Hornhauttransplantation?

Das hängt vom Verfahren ab. Nach einer DMEK sehen viele Patienten schon nach wenigen Wochen deutlich besser. Nach einer perforierenden Keratoplastik oder DALK kann es wegen der Nähte zwölf Monate oder länger dauern, bis das Sehen stabil ist.

Muss ich nach der Transplantation dauerhaft Tropfen nehmen?

Kortisonhaltige Tropfen werden über Monate langsam reduziert. Manche Patienten, besonders nach einer perforierenden Keratoplastik oder mit erhöhtem Risiko, benötigen über lange Zeit eine niedrige Dosis. Der Augenarzt legt den Plan individuell fest.

Woran erkenne ich eine Abstoßung?

Merken Sie sich RSVP: Rötung, Lichtempfindlichkeit, Sehverschlechterung und Schmerzen. Treten diese Zeichen auf, sollten Sie noch am selben Tag die Klinik oder den Augenarzt aufsuchen, denn früh behandelt lässt sich eine Abstoßung oft aufhalten.

Braucht man für eine Hornhaut eine passende Blutgruppe?

In der Regel nicht. Weil die Hornhaut keine Blutgefäße hat, ist das Abstoßungsrisiko gering und eine Gewebetypisierung meist nicht nötig. Bei Hochrisikoaugen kann sie im Einzelfall sinnvoll sein.

Bis zu welchem Alter kann man Hornhaut spenden?

Es gibt keine feste Altersgrenze. Entscheidend ist die Qualität der Endothelzellen, die in der Hornhautbank geprüft wird. Auch Brillenträger und Menschen nach einer Kataraktoperation können oft spenden.

Verändert die Hornhautspende das Aussehen der verstorbenen Person?

Nein. Die Entnahme erfolgt sorgfältig, und das Gesicht wird würdevoll wiederhergestellt. Eine Aufbahrung am offenen Sarg ist weiterhin möglich.

Kann ich nach einer Transplantation wieder Sport treiben?

Ja, nach ärztlicher Freigabe. Besonders nach einer perforierenden Keratoplastik bleibt das Auge jedoch empfindlich gegenüber Stößen, daher sind bei Ball- und Kontaktsportarten Schutzbrillen dringend zu empfehlen.

Kann eine Hornhauttransplantation wiederholt werden?

Ja. Wenn ein Transplantat nach Jahren trüb wird oder abgestoßen wurde, ist eine erneute Transplantation meist möglich. Das Abstoßungsrisiko ist bei Wiederholungen jedoch höher.

Quellen
  • American Academy of Ophthalmology – Corneal Transplantation (patient information and EyeWiki: DMEK, DSAEK, DALK, PK)
  • Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) – Keratoplastik-Register und Stellungnahmen zur Hornhautspende
  • Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) – Hornhautspende: Informationen für Angehörige
  • Melles GR et al. – Descemet membrane endothelial keratoplasty (DMEK), Cornea 2006
  • Gain P et al. – Global survey of corneal transplantation and eye banking, JAMA Ophthalmology 2016
  • NHS – Cornea transplant
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung – Organspende und Gewebespende

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